Das Spiel mit der Macht
Immer wieder gibt es diese vertrackten Diskussionen, wer denn nun innerhalb einer SM-Beziehung die wirkliche Macht hat. Vordergründig scheint ja alles klar zu sein: Das ist der Herr (oder die Herrin) und dort die Sklavin (oder der Sklave), die per Spielregel, Vertrag oder sonstiger Absprache verpflichtet ist, all das zu tun, was der Herr befiehlt.Aber da gibt es ja noch ein paar mehr Ebenen: Zum einen wird ein Herr, der verantwortlich handelt, natürlich genau wissen, womit er seine Sklavin beglücken kann und das dann auch gezielt einsetzen. Da sie aber diejenige ist, nach deren Lust sich der Herr richtet, verändert sich die so klare Machtstruktur schon mal deutlich. Ein Herr könnte natürlich völlig unabhängig von den Wünschen seiner Sklavin einfach nur das machen, was er will. Aber auch mit noch so vielen Strafen wird er nichts gegen den stillen oder auch lauten Aufstand seiner Sklavin ausrichten können, wenn er nur Dinge tut, die sie nicht anturnen.
Die Sklavin versucht natürlich ihrem Herren zu gefallen und weil es sie kickt, wenn er mit ihr tut, was er will, gibt sie ihm Macht, behält aber auch welche, denn er spielt ja genau mit diesem Kick.
Wenn er tut, was er will, und sie es gut findet, wenn er das tut, dann macht er also, was sie will.
Naja, das kann man natürlich noch viel weiter verfolgen und irgendwann stellt man fest, daß letzten Endes natürlich auch zwischen Herr und Sklavin ein ausgewogenes Machtgefälle herrscht, wahrscheinlich zum Missfallen beider, denn sie wollen es ja eigentlich anders.
Wenn ich spiele, dann reizt mich ein Spiel nur, wenn ich merke, daß ich meine Partnerin damit auch erreiche. Natürlich habe ich einen ganzen Set an Lüsten, denen ich gerne beim Sex nachkomme, angefangen vom Fesseln, Schlagen und anderen schmerzerzeugenden Techniken (was für ein ekliges Wort für so aufregende Dinge wie Beißen, Schneiden, Stechen) bis hin zu ausgedehntem Fisten oder Nasen-Quälereien. Aber es reizt mich nicht, irgendeine von diesen Vorlieben an jemanden zu vergeuden – denn Vergeudung ist es in so einem Fall – der es nicht zu würdigen weiß, der davon nicht geil wird. Wenn mir das egal wäre, könnte ich ja auch SM mit einer Gummi-Puppe betreiben.
Nach meiner Erfahrung funktioniert das Ganze aber auch anders rum, das heißt, wenn mein Partner merkt, daß mich etwas heiß macht, dann kann ihn das auch kicken.
Und so ist das was ich mit meinen Liebsten so treibe immer ein mal mehr mal weniger offensichtliches Hin und Her von Lust und Geilheit, bei dem irgendwann immer unklarer wird, wer hier wem was Gutes tut. Und dabei ist noch nicht mal die Machtfrage gestellt worden.
Nun gut, ich finde diese Frage auch nicht wirklich spannend, denn (siehe oben) so wirklich klären lässt sie sich eben nur recht vordergründig. Aber sobald ich jemanden finde, der Lust hat auf das wozu ich Lust habe und auf dessen Lust wiederum ich Lust habe, ist es mir schleicht egal, wer hier wen wohin mitnimmt, denn unter dem Strich kommt immer eine gemeinsame Reise dabei heraus.
In diesem Sinne euch allen viel Spaß beim Erforschen bekannter und unbekannter Kontinente der Lust,
Matthias
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