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Lasst uns spielen!?

Ich weiß, ich habe das Rollenspiel nicht erfunden und auch die große Inszenierung liegt mir nicht. Aber dennoch will ich meinen Spaß und das nicht nur, wenn ich ein Modell in meinen Seilen habe.
Das mein Spaß nur funktioniert, wenn es auch mit dem Spaß des anderen zusammen passt, ist selbstverständlich. Und wenn ich „Spaß“ sage, so ist das eine Umschreibung, ein Euphemismus, also eine mildernde oder beschönigende Umschreibung für ein anstößiges Wort. Petra Maresch regte sich mal zu recht in einer ihrer früheren Kolumnen darüber auf, dass die Leute lieber von Spanking oder Caning reden, als zuzugeben, dass sie Lust haben, sich nach allen regeln der Kunst zu verhauen, sich den Arsch blau schlagen zu lassen, den Partner derbe zu verprügeln.
So geht es mir manchmal auch mit dem Wort „Bondage“. Dass es da um Bewegungslos-Machen geht, dass Handschellen zuschnappen, dass die Riemen der Zwangsjacke bis zum letzten Loch zugezogen werden oder die Seile (ja, natürlich geht es auch um diese) in die Haut einschneiden, klingt bei der Benutzung des fast schon neutralen Wortes „Bondage“ nicht durch.
Sprache erzeugt Realität und echte Macht ist nicht zuletzt die Macht des Benennens. Das wissen wir natürlich, wenn wir unseren Partnern Namen geben, um das Machtgefälle oder das Spiel zu verdeutlichen. Ob nun Herr und Sklave, Groß-Inquisitor und Hexe, Gutsherrin und Knecht, Herrchen und Haustier, immer steckt da auch der Ansatz drin, eine Realität jenseits der Alltags-Realität zu schaffen.
Wenn ich aber diesen Versuch behindere, indem ich beschönigende oder verniedlichende Ausdrücke gebrauche, muß ich mich nicht wundern, wenn die schwarze Phantasiewelt sich plötzlich kaum noch vom Alltag unterscheidet.
Mein aktuelles Hass-Wort in diesem Zusammenhang ist „Sub“, teilweise noch verniedlicht zu Subbilein. „Sub“ bedeutet „unter“ und wird im allgemeinen als Vorsilbe benutzt, wie etwa in Subalterner (Untergebener) oder Subway (Untergrundbahn). Mit unserer Vorliebe für Verniedlichungen nehmen wir dem bedrohlichen welches im Wort Sklaverei steckt oder auch in dem Begriff „dienen“ die Spitze.
Warum soll ich meine Geliebte, die mit mir in Komplizenschaft auf die Spielreise geht, Sub nennen, wenn sie doch eigentlich eine Dreckskatze, ein Miststück, ja meinetwegen sogar ein Dreiloch-Weib ist.
Das derbe unserer Art miteinander SM zu leben kommt in diesen Worten viel bildhafter zum Ausdruck und das gefällt mir.
Anders liegt es bei dem Ausdruck „Stino“, einer Abkürzung von stinknormal, mit dem gerne der nichtperverse Teil der Bevölkerung bezeichnet wird. Klingt fast wie andersbefähigt statt blind, taub, gehbehindert, auch so ein Euphemismus.
Da ist mir Vanilla im Gegensatz zu Hot Spicy noch lieber, aber was hat eigentlich immer gegen „Blümchensex-Liebhaber“ gesprochen.
Wobei ich nichts gegen ganz normales Ficken gesagt haben will, denn das kann ja manchmal auch schön sein. Aber heutzutage wird ja nicht mehr gefickt, sondern gepoppt oder so ähnlich.
Sprache ist eben mehr als nur eine Möglichkeit sich (manchmal vermeintlich) miteinander zu verständigen.
Und ich will bei meinen Spielen nicht so tun als ob alles nett, niedlich, hübsch ist. Denn ich mag es lieber richtig schmutzig.
In diesem Sinne,
Matthias

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