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Schluss mit dem Getuschel

Draußen ist es ungemütlich, grauer Himmel, Regenschauer. Kein Winter mehr und noch kein Frühling. Zeit sich gemütlich zusammenzusetzen, ob nun in einer Bar oder zuhause. Und natürlich redet man nicht nur über sich, sondern auch über andere. Und wenn der Abend später wird, beginnt man sich gegenseitig „Geheimnisse“ anzuvertrauen.
Das ist ein unterhaltsames Spiel und ehrlich gesagt, ich schludere manchmal auch ganz gerne über meine lieben Mit-Sadomasochisten.
Und immer mal wieder höre ich in solchen Situationen Geschichten, die mir hinter vorgehaltener Hand erzählt werden. „Aber bitte nicht weitersagen“.
Doch das scheint mir manchmal als paradoxe Botschaft, denn natürlich geht es darum, diese „Wahrheiten“, die meist nicht mehr als Gerüchte sind, weiter köcheln zu lassen, die leider oft an üble Nachrede grenzenden „Tatsachen“ publik zu machen, und jemanden möglichst halb-öffentlich bloßzustellen. Klar, was wäre die Welt ohne Neider, Sich-den-Mund-Zerreisser, Schwatzköpfen und wie man sie alle nennt – wenn man selbst betroffen ist.
Aber vielleicht bin ich da auch zu streng – jedenfalls wirft man mir das immer mal wieder vor – nein, natürlich nicht öffentlich, sondern als Getuschel hinter meinem Rücken. Oder zu überheblich und arrogant – auch das so ein heimlicher Vorwurf.
Und selbstverständlich kommt dieses Getuschel irgendwann bei mir an, auch wenn niemand es weitererzählen sollte. Spätestens dann, wenn mich Leute persönlich kennen lernen und dann feststellen, dass ich ganz anders bin, als das was sie über mich gehört haben.
Immerhin geben die Leute ihren Irrtum dann zu, und verraten gleichzeitig, was denn so geredet wird.
Nun gut, ich habe ein breites Kreuz, einen geduldigen Rücken und kenne das Spiel schon seit langem. Immerhin stehe ich ja schon seit mehr als anderthalb Jahrzehnten im Blick der Öffentlichkeit als Mitherausgeber der Schlagzeilen, als Party-Mitorganisator und inzwischen auch als Performance-Künstler und Workshop-Leiter.
Aber da gibt es alle diejenigen, die leichter verletzbar sind, deren Haut dünner ist, die empfindlicher auf Unterstellungen und Gerüchte reagieren. Und die stehen dann vor mehreren Problemen:
Problem eins: Niemand weiß, wer das als erster über einen anderen gesagt hat und warum.
Problem zwei: Keine Chance für denjenigen, über den geredet wird, direkt darauf zu antworten.
Problem drei: Meist wird aus einer dahingesagten Bemerkung mehr, als ursprünglich gemeint war, spätestens der dritte in der Reihe, hat daraus ein ernste Schwierigkeit oder ein unentschuldbares Fehlverhalten gemacht. Stille Post eben.
Und denjenigen, die da locker etwas weitererzählen, kann es ja egal sein, ob sie damit Befindlichkeiten verletzen, Beziehungen gefährden oder einen einfach unter der Gürtellinie treffen.
Natürlich weiß ich, dass Szene ohne Szene-Klatsch nicht denkbar ist, aber vielleicht sollte sich manch einer vorher überlegen, was er über jemand anderen erzählt, denn nur zu schnell kann man plötzlich selbst betroffen sein. Und auch mit breitem Rücken und dicker Haut tut es niemandem gut.
In diesem Sinne,
Matthias

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