Vergnügliche Spiele
Wenn ich mir meine Anmerkungen der letzten Zeit so anschaue, dann wunder ich mich doch, wie häufig ich eher kritisch hinschaue. Dabei geht manchmal der Blick auf das Wesentliche verloren: SM ist unterhaltsam, spannend, aufregend, erregend und oft auch witzig.Das gilt sowohl im Allgemeinen, als ich im engeren Sinn etwa innerhalb einer Beziehung. Doch wie mit allen Dingen, die einen in irgendeiner Form betreffen, muß man bereit sein, dass auch wahrzunehmen.
Natürlich gibt es Tage, an denen man nur sieht, was alles nicht klappt, was verbesserungswürdig und was eigentlich völlig daneben ist. Egal, ob 30, 50 oder 90 Prozent gut und wünschenswert ist, klebt der Focus auf dem Negativen. Aus für mich nie ganz zu verstehenden Gründen bleiben einem ja eher die schlechten Sachen im Kopf, als die Guten. Auch wenn es das Sprichwort gibt „Die Zeit malt mit einem goldenen Pinsel“.
Neulich waren wir in Paris gebucht für einen Bondage-Workshop und abends eine Performance. Irgendwie war hinten runter gefallen, dass wir seit dem Frühstück und dem eher traurigen Imbiss im Flugzeug nichts Vernünftiges gegessen hatten und in der Location, wo wir arbeiten sollten, gab es Knabberglück, aber kein Baguette oder sonst etwas Vernünftiges. Aber später wollten wir noch auf eine Party, die der Tabu-Verlag jedes Jahr veranstaltet: Shows, freies Essen und Trinken und Leute treffen, also so was ähnliches wie eine SM-Party. Naja, kaum angekommen habe ich mich zielstrebig auf das Buffet gestürzt und von all den Leckereien probiert, die es da gab. Und dann stolperte ich über zwei Schüsseln mit Tiramisu und Mousse o Chocolate. Und da war es dann um mich geschehen. Nur am Rande sei angemerkt, dass eine Mischung aus beiden auch auf dem dritten Teller ziemlich genial schmeckt. Ach ja, es gab natürlich derweil einiges zu sehen. Zwei Bondage-Master spielten mehr oder weniger derbe Spielchen mit ihren Modellen. Besonders unterhaltsam, dass eine der Frauen sich ziemlich cool wehrte, was dem guten Philipp den Schweiß auf die Stirne trieb. Nebenbei gab’s noch eine kleine Pseudo-Lesben-Session auf dem Balkon. Und einen Veranstalter, der mir eine Bondage-Novizin anbot, damit ich als erster meine Seile um sie legen könnte. Aber irgendwie stehe ich mehr auf erfahrenere Bondage-Partnerinnen.
Ja, so macht das Leben eben Spaß: Nicht alles fesseln müssen, was einem in die Quere kommt, ist auch eine Form von Luxus, den es zu genießen gilt, auch wenn das vielleicht etwas überheblich klingt. Doch meine Erfahrung zeigt, dass der größte Genuss beim Fesseln darin besteht, dass man ein freches Miststück in den Seilen hat, von dem man nie genau weiß, ob sie jetzt vielleicht versucht mich zu schubsen oder zu treten oder ob sie mir doch nur in den Zeh beisst, als Abschlussgeste, nachdem sie mir den Fuß geküsst hat. Auch ich will ja nicht wirklich so durchschaubar wie eine Glasscheibe sein und daher kommt es von meiner Seite auch nach mehr als tausend Performances immer mal wieder zu etwas Neuem. Meist klappt das, aber natürlich gibt es auch das Risiko, dass das Neue nicht funktioniert. Und auch dann ist es gut, jemanden als Partnerin zu haben, die damit erstens umgehen kann und zweitens auch auf einer Bühne nur für mich deutlich signalisieren kann, dass es eben nicht funktioniert.
Ihr seht, ich kann auch Gutes erzählen. Und wenn man hinguckt, dann sieht man das auch überall.
In diesem Sinne,
Matthias
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