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Verletzlich aber nicht zerbrechlich

Er versucht ihr ein guter Herr zu sein, fördert ihre Ausbildung zu Lecksklavin und Dreilochstute. Wenn sie Fehler macht, schlägt er sie mit leisem Bedauern. Und weil diese Schläge schmerzen, versucht sie möglichst wenig Fehler zu machen.
Auch sonst haben sie sich einiges zu sagen, besonders, wenn der Herr von seinen ausführlichen Verleih-Plänen erzählt.
Und irgendwann geht sie. Und er weiß nicht, was passiert ist.
Er hatte doch nur das Beste für sie im Sinn.
Aber dabei nicht bemerkt, dass er nicht wirklich sie meinte, sondern nur das Bild, welches er sich von ihr gemacht hatte oder schlimmer noch, das Bild, welches er erst noch erzeugen wollte.
Natürlich hatte er anfangs gefragt, ob sie seine Sklavin sein wolle. Und natürlich hatte er ihr erläutert, was das sei: Seine Sklavin.

Als ich in der Anfangszeit meines SM-Coming-Outs eine meiner ersten Gespielinnen damit überraschte, dass ich ihr einen Sklavinnen-Namen gab, war das grad erst sprießende Pflänzchen „SM-Beziehung“ ohne Vorwarnung sofort verdorrt. Meine damalige Gespielin war schlau genug, gleich zu bemerken, dass ich nicht wirklich sie als Person meinte, sondern nur das, von dem ich glaubte, sie würde ihm entsprechen.

Es gibt kaum etwas was mehr verletzt als jemanden nicht als Person sondern nur als Wunschbild, Vorstellung, Anziehpuppe oder Trainingsobjekt zu sehen.
Gerade innerhalb der SM-Szene passiert das aber immer wieder und dabei spielt es keine Rolle, ob man sich die Herrin oder den Herrn, die Sklavin oder den Sklavin zurechtphantasiert und dabei vergisst auf die Gefühle des Gegenübers Rücksicht zu nehmen.

Selbstverständlich kommt das alles auch unter anderen Vorzeichen in der Normalo-Kultur vor. Aber es könnte sein, dass in einer SM-Beziehung, die sehr viel mehr darauf aufgebaut ist, sich dem anderen zu öffnen, sich ganz hinzugeben, den Partner zu halten, die Verletzlichkeit sehr viel tiefer gehen kann.

Glücklicherweise sind wir Menschen so gestrickt, dass wir meist Schmerz empfinden, wenn man uns weh tut. Aber bevor der Schmerz zu groß wird, schaffen es die meisten sich zu retten, bevor sie an ihm zerbrechen.

Doch oft ist der Preis hoch, den die verletzte Person zahlen muß: Mal ist jegliche Lust auf neue Partner oder auf SM vergangen, mal verliert sich die Fähigkeit sich wirklich fallen zu lassen oder das Misstrauen potentiellen Partnern gegenüber ist so tief, dass ohnehin niemand mehr eine Chance bekommt, denjenigen erneut zu verletzten. Denn verletzlich sind wir nur dann, wenn wir offen sind.
Und gerade diese Offenheit ist das Geschenk, welches wir dem Partner machen.

Matthias

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