Zwischen Seriosität und Spaß
Irgendwie ist mir über die Jahre immer mal wieder abhanden gekommen, dass die Schlagzeilen und unsere Webseite ein Angebot sind, dass den Staatsanwalt, die Bundesprüfstelle oder auch nur einen Verweis anderer um den Jugendschutz besorgter Organe hervorrufen kann.In den Anfangs-Jahren, als SM noch viel heimlicher war, der Ruch des Perversen in der Luft hing, sagten wir gerne, dass man bei der Produktion eines SM-Magazins immer irgendwie mit einem Bein im Knast steht: Verbreitung von Gewaltpornografie, Jugendgefährdung und so weiter.
Nun haben wir wohlmeinende Offizielle gehabt, die uns nie wirklich schmerzhafte Knüppel zwischen die Bein geschmissen haben, aber alle paar Jahre passiert wieder etwas, was uns bewusst macht, dass wir eben nicht Tierbücher produzieren und Kartoffeln verkaufen. Das heißt, es hängt auch weiterhin das Damoklesschwert möglicher Verbote oder Einschränkungen über uns.
In den Köpfen vieler wohlmeinender (ich hoffe, dass dem so ist, naiv wie ich bin) Menschen ist SM in seinen Facetten immer noch verknüpft mit Gewalt, möglichem Missbrauch und der Gefahr, dass andere Menschen - Jugendliche im Besonderen - sich animiert fühlen könnten, diese obskure Lebensform zu übernehmen ohne zu verstehen, dass es hier eben nicht um Gewalt und Missbrauch geht, sondern um einvernehmliche Spiele unter Erwachsenen.
Es ist die alte Diskussion: Schafft die Darstellung von ungenormter Erotik ein bisher nicht da gewesenes Bedürfnis danach oder sucht der Bedürftige nach der ungenormten Erotik, weil es genau das ist, was er sich wünscht?
Neuere Untersuchungen scheinen die zweite Variante nahe zu legen, aber in den Köpfen gewisser Entscheidungsträger scheint es sehr viel einfacher zu sein, sich auf die erste Variante festzulegen und daraus Forderungen nach Zensur abzuleiten.
Dabei ist es erwiesen, dass Zensur Dinge erst interessant macht, weil das Verbotene eben einen besonderen Reiz hat.
Ich entsinne mich noch an meine Zeit in Dänemark, als dort Pornografie schon seit einigen Jahren frei verkäuflich war und bei uns noch unter dem Ladentisch in sogenannten Läden für Ehehygiene verkauft wurde.
Fast in allen Wohnungen, in denen ich zu Gast war, lagen irgendwo die Heftchen rum. Aber sie lagen da, wie uninteressant gewordene Spielzeuge.
Ich glaube, dass die meisten Menschen, ob jugendlich oder erwachsen, sehr genau entscheiden können, ob das was sie finden etwas ist, dass sie spannend finden (weil es schon in ihnen vorhanden ist) oder etwas, dass eher als exotisch, seltsam und uninteressant - weil mit einem selbst nichts zu tun habend - eingestuft wird.
Spannend dabei - heutige Argumentationsschienen die sich gegen die desorientierende Wirkung von dargestelltem SM-Leben wenden, erinnern an die gleichen Argumentationsstränge aus den 60er Jahren, als damals das Gleiche beim Thema Homosexualität befürchtet wurde.
Nur heute würde sich jeder in die Nesseln setzen, der hier in Deutschland bei letzterem Thema so argumentieren würde.
Also sollten wir uns mal wieder die Schwulenbewegung zum Vorbild nehmen und schauen, wie sie es geschafft hat, dass der Normalbürger den schwulen Nachbarn oder die lesbische Lehrerin als selbstverständliche Normvariante sieht.
In diesem Sinne,
Matthias
Ältere Beiträge
2. Mai 2012 » Immer nur SM ist doch langweilig3. April 2012 » Zwischen Anspruch und Realität
5. März 2012 » Beratung! Beratung?
21. Februar 2012 » Was man immer wieder vergisst ...
4. Januar 2012 » Zwischen Seriosität und Spaß
2. Dezember 2011 » Wintersonnenwende, Weihnachtszeit, Jahresabschluss ...
2. November 2011 » Hauptsache Spaß?!
5. Oktober 2011 » Spielregeln
2. September 2011 » Online-Spielereien?
2. August 2011 » Vom Bücher machen
4. July 2011 » Wo ist die SM-Szene geblieben?
7. Juni 2011 » Seltsam oder normal?
3. Mai 2011 » Wider die Normalität?
4. April 2011 » Leerer Kopf
2. März 2011 » Worüber ich mir Gedanken mache ...
3. Februar 2011 » SM ist Privatsache oder?
4. Januar 2011 » Auf ein Neues!
2. Dezember 2010 » Ich hasse Kälte!
26. Oktober 2010 » Sex sells
24. September 2010 » Medien-Trara
24. August 2010 » Heavy Metal und SM
5. July 2010 » Respekt-Party-Sauna?
2. Juni 2010 » Lena, Fußball-WM und der Sadomasochismus
13. April 2010 » Wenn SM gefährlich wird ...
10. März 2010 » Seiten-Stress
8. Februar 2010 » Ellenbogen-Gesellschaft
13. Januar 2010 » Schnee-Vergnügen
9. Dezember 2009 » Traumgespinste
3. November 2009 » Wenn es mit dem richtigen SM schnell gehen muß …
8. September 2009 » Verletzlich aber nicht zerbrechlich
28. July 2009 » Böse Spiele
16. Juni 2009 » Vergnügliche Spiele
13. Mai 2009 » Wir freuen uns auf Euren Besuch
25. März 2009 » Krisenzeiten!?
2. März 2009 » Unüberlegt?
29. Januar 2009 » Der Traum vom Fliegen
10. Dezember 2008 » Statt einer Kolumne - damals 10 Jahre SZ
13. November 2008 » Jubiläum!!!
13. Oktober 2008 » Zensur und Datenspeicherung
4. September 2008 » Wie die Zeit vergeht …
1. August 2008 » CSD – was ist denn das?
26. Juni 2008 » Sommer-Pein
29. Mai 2008 » Messe-Chaos
29. April 2008 » Nach-Gedanken
20. März 2008 » Zwiespalt?
25. Februar 2008 » Schluss mit dem Getuschel
28. Januar 2008 » Lasst uns spielen!?
21. Dezember 2007 » Jahresabschluss
23. November 2007 » Kunst und/oder Pornografie?
25. Oktober 2007 » Der Traum vom Fliegen
20. September 2007 » Nicht alles Gold was glänzt
24. August 2007 » Aggressionen in der schwülen Luft
25. July 2007 » Paraden-Stolz
26. Juni 2007 » Tokyo im Juni
15. Mai 2007 » Die Rückeroberung des ersten Platzes
19. April 2007 » Die Zeit heilt alle Wunden?
16. März 2007 » Das Spiel mit der Macht
16. Februar 2007 » Kann man SM lernen?
17. Januar 2007 » Stürmische Zeiten
13. Dezember 2006 » Advent, Advent ...
15. November 2006 » St.Pauli-Tour
12. Oktober 2006 » Traumtänzer
14. September 2006 » Gruppen-Chaos?
18. August 2006 » Party Time
14. July 2006 » Spielregeln
16. Juni 2006 » Fußball-Sommer
19. Mai 2006 » Lesetag
13. April 2006 » Jubiläum - 10 Jahre SM-Handbuch
10. März 2006 » Verspätete Winterfreuden
14. Februar 2006 » Das Glück SM leben zu können
13. Januar 2006 » Winterzeit – Urlaubszeit
19. Dezember 2005 » SZ goes SZ
15. November 2005 » Kultur mit SM
18. Oktober 2005 » Herbstträume
19. September 2005 » Reisefieber
20. August 2005 » Verspätetes Sommervergnügen?
19. July 2005 » Neues aus Japan
5. Juni 2005 » Relaunch




