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Sommer-Pein

Nein, kein Fussball. Auch kein Gejammer über das Wetter! Und gut geht es mir sowieso – danke der Nachfrage.

Ich habe mal wieder die Ehre, meine Fingerchen blutig zu tippen, um eine neue Kolumne zu verfassen. Auch wenn ich bisher kaum Rückmeldungen von Euch bekommen habe, so kann ich an der Statistik entnehmen, dass ich wenigstens gelesen werde.
Gleich nach den Kontaktanzeigen und noch vor unseren Linkseiten, schauen pro Monat zwischen acht- und zehntausend Besucher die Kolumnen an. Ob sie sie auch lesen, sei natürlich dahin gestellt.

Der Fussball-Monat Juni ist zwar eine Zeit, in der die Leute nicht so häufig lesen, aber das kenne ich schon von der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren.
Ohnehin ist Juni, Juli und August ja des Deutschen liebste Reisezeit. Und da freuen wir uns natürlich, sollte Euch Eure Reise nach Hamburg führen, wenn Ihr uns besuchen kommt. Immerhin sitzen wir in Fussweg-Entfernung zur Reeperbahn, zum Hafen und zum Dom (wie unser drei Mal im Jahr stattfindendes Volksfest heißt).
Und neben diesen Sehenswürdigkeiten gibt es ja noch die drei Musical-Spielstätten, die auch manchen gestandenen Sadomasochisten locken, den Hamburger Dungeon (dessen Besuch ich eher verstehe, denn mit Musicals kann man mich jagen) und natürlich den Schlagermove. Und schon sind wir bei der Sommer-Pein.
Jedes Jahr am ersten Wochenende im Juli findet nicht nur unsere Respekt-Party statt, sondern am Samstag danach der Umzug des Schlagermoves. Und das heißt für das Partyteam: Abbauen der Party nach der Party, mitten in der Nacht, wenn man eigentlich gerne nach Hause ins Bett gehen möchte.
Normalerweise bauen wir die Spielräume ja erst am nächsten Tag ganz entspannt ab. Um dann hinterher vielleicht einen zusammen trinken zu gehen, um auf die gelungene Party anzustoßen. Aber an dem Wochenende im Juli muß man sich auf etwas ganz Anderes einstellen: Am Samstag ist St. Pauli bevölkert mit all denen, die sich für den Move zurechtgemacht haben, mit lustiger Kleidung, schrägen Perücken, seltsam geschminkt. Und spätestens ab 15.00 Uhr geht gar nichts mehr im Quartier – die Schlagerfans sind los.
Ich will ja kein Spielverderber sein und ich muß auch nicht immer nur das düstere Zeugs hören, was auf den meisten SM-Partys gespielt wird, aber Schlager – nö, das ist für mich echter Alltags-Sadismus – und da ich im Viertel wohne und lebe, muß ich mir das anhören, auch wenn ich meine Fenster vernagele – und ich bin nicht einverstanden!

Aber glücklicherweise passiert das nur einmal im Jahr und ich werde es, so lehrt die Erfahrung, ganz sicher überleben. Und mich nächsten Tage dabei ertappen, wie ich unfreiwillig die eine oder andere Schlagermelodie vor mich hinsumme. Und das ist dann wirklich gemein.

Immerhin können wir SM-Leute uns rächen, denn einen Monat später ist die Christopher-Street-Day-Parade, in der wir SM-Leute auch vertreten sind. Und dann sind wir diejenigen, die den Verkehr aufhalten.

In diesem Sinne,
Matthias