Herbstträume
Draußen wird es langsam kälter, grauer und viel zu früh dunkel. Drinnen muss man seine Heizung anschmeißen und die Sommerdecken gegen die Winterdaunen austauschen. Natürlich geht man noch raus zu Partys und Stammtischen, aber quer über die Reeperbahn nur im durchsichtigen Kleid ist dann doch zu erkältungsträchtig.Für mich klingt dann langsam die Saison aus, nachdem ich das nächste Wochenende auf der Venus in Berlin verbracht habe und das übernächste auf der Bondage-Hell in Essen. Danach gibt es keine „Gigs“ mehr bis Anfang nächsten Jahres und ich bin ganz froh drum, denn auch wenn ich es mir anders vorgenommen hatte, mein Terminkalender dieses Jahr war schneller voll, als ich gucken konnte. Aber das nächste Jahr droht dann ja wieder mit den üblichen guten Vorsätzen.
Die neuen Schlagzeilen sind auf dem Markt, aber wie immer heißt es bei uns „nach der SZ ist vor der SZ“ und daher stelle ich schon wieder die ersten Texte für die Schlagzeilen Vol. 84 zusammen, denn je früher die Texte in der Korrektur sind, desto eher kann Jan mit dem Layout beginnen. Wie immer werde ich versuchen einen bunten Strauß Geschichten zusammenzustellen, unter grober Berücksichtigung des Texteingangs. Das soll jetzt nicht heißen, dass wir genug Texte in unserem Archiv haben, denn wie schon seit Jahren sind die Texte mit passiven Männern und aktiven Frauen deutlich unterrepräsentiert.
Also ran an Eure Schubladen und her mit den schmutzigen Geschichten!
Und für unsere neue Rubrik „Junge Wilde“ benötigen wir auch ein paar knackige Texte. Einzige Voraussetzung ist, dass die Autorinnen und Autoren nicht älter als 27 Jahre sind.
Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber mir erscheint es manchmal doch etwas seltsam, dass ich immer noch so viele Frauen und Männer kenne, die einen Topf für ihren Deckel suchen. Gestern sprach ich mit einer jungen Frau, die immer nur Männer kennen lernt, die nichts mit SM zu tun haben und die dann mehr oder weniger schnell flüchten, wenn sie erfahren, was sie sich wünscht. Kontaktanzeigen findet sie eher anstrengend und in der freien Wildbahn scheint es die Tendenz zu geben, dass sich die Leute eher zurückhalten. Nein, ich sehne mich nicht nach den Zeiten, als mir einer der vielen einsamen Herren auf der „Les Fleurs du Mal“ anbot, eine Kiste Bier zu spendieren, wenn ich ihm auf der nächsten Party eine Solofrau vorstellen würde. Glücklicherweise trinke ich so gut wie kein Bier.
Vielleicht haben wir auch zu viele virtuelle Wohnzimmer, die dazu verführen, weniger raus zu gehen. Gerade bei den letzten Partys hatte ich immer häufiger das Gefühl, dass die echten Sadomasochisten sich den Schneid von der Fetish-People-Fraktion abkaufen lassen und lieber im trauten Heim bleiben. Aber vielleicht täusche ich mich auch, denn ab und zu sehe ich Leute wieder, die ich das letzte Mal vor Jahren auf unseren Partys getroffen habe.
Möglicherweise gibt es ja eine Entwicklung, die einfach normal ist: Echte SM-Spiel-Partys werden weniger, Fetisch-Partys werden mehr. Irgendwann hat man dann keine Lust mehr auf „Sehen und Gesehen Werden“ und wieder die Sehnsucht nach einer öffentlichen SM-Session und dann feiern die Play-Partys wieder ein fröhliches Come-Back. Zumindest in Hamburg geht der Ansatz in diese Richtung, denn mit der neuen zweimonatlichen Party in den ehemaligen Räumen der „Heaven and Hell“ in der Großen Freiheit feiert eine frisch renovierte Location Auferstehung, die schon immer ihren gewissen morbiden Charme hatte.
In diesem Sinne Euch allen einen fröhlichen Partyherbst,
Matthias


