Das Glück SM leben zu können
Dana und ich waren bis vor ein paar Tagen in Thailand im Urlaub. Irgendwie zieht es mich immer wieder in den Osten. Aber im Gegensatz zu Japan ist Thailand eine echte SM-Diaspora. Ja, es soll da irgendwo einen Privat-Club für Westler geben. Und in Bangkok gab es eine SM-Bar (die schon einmal schließen mußte und kurze Zeit unter neuem Namen wieder eröffnete, jetzt aber mal wieder geschlossen ist). Sicherlich gibt es auch im japanischen Viertel den einen oder anderen Bondage-Club (nur für Japaner). Und in den Anzeigen von „Massage-Clubs“ und Hostessen-Services liest man inzwischen immer mal wieder die Stichworte „Dominance“ und „Roleplay“. Aber das ist es dann auch schon.Und das obwohl Thailand als „Sex-Tourismus-Land“ bei einigen verschrien ist (wobei sich die Administration bemüht, kräftig gegen zu steuern).
Pornographie ist verboten, die Einfuhr von Sex-Toys kann zu echten Problemen beim Zoll führen. (Wir hatten uns schon eine prima Ausrede für die Peitsche und die paar Seile, die ich im Gepäck hatte, ausgedacht: You know, I am a cowboy!). Tja und in den üblichen Internet-Cafés sind die Rechner so angeordnet, dass einem der Betreiber immer über die Schulter schauen kann. Nicht sehr SM-freundlich!
Verwöhnt vom eigenen Rechner und von der SM-Infrastruktur in Deutschland beginnt man dann doch zu grübeln. Es ist ja nicht so, dass nur Westler und Japaner auf SM stehen. Wenn ich in unsere Statistik schaue, dann merke ich, dass die Besucher des Bondage Projects aus der ganzen Welt kommen: Alleine 1200 Besucher aus Thailand im Januar. Auch aus Afrika und Mittelasien, Südamerika und den arabischen Ländern.
Doch dort gibt es eben keine Gruppen, SM-Vereine, Arbeitskreise und schon gar keine öffentlichen Partys. Vermutlich würden Versuche SM zu leben bei Bekanntwerden rigide bestraft werden, so wie es in vielen Ländern den Homosexuellen passiert, die sogar in einigen Ländern mit der Todesstrafe bedroht werden. Klar wird es den einen oder anderen heimlichen Zirkel geben und in manchen Kulturen ist 24/7 ja ein Teil (auch wenn es hier nicht um Fragen der Einvernehmlichkeit geht).
Aber vielleicht geht es uns auch mit unseren Errungenschaften zu gut. Denn vor knapp 30 Jahren gab es das alles bei uns auch noch nicht. Und heute ist es so selbstverständlich, so sehr gewohnt, dass einige von uns meinen, sie müßten sich untereinander das Leben schwer machen.
Dabei sollten wir glücklich sein, dass wir all diese Möglichkeiten haben.
Matthias


