Verspätete Winterfreuden
Die aktuellen Schlagzeilen sind auf dem Markt, die Anstrengung des Versands ist vorbei, für diesmal. Es ist immer wieder das Gleiche: Mehrere Europaletten mit Kartons, die mit jeweils 25 Schlagzeilen gefüllt sind und 8,8 Kilo wiegen müssen abgepackt und in den Verlag transportiert werden. Leider ist unsere Eingangstür nicht paletten-tauglich. Manchmal kommen auch noch Paletten mit Büchern mit, die in unsere Regale einsortiert werden müssen. Denn so viel Platz haben wir nicht, beispielsweise 10.000 Bondage-Handbücher zu lagern.Und dann geht es los. Gemeinsam mit ein paar Helfern werden die Hefte in voradressierte Briefumschläge gepackt (Abo-Rechnungen und Verträge für Fotografen und Autoren nicht vergessen!) und dann nach Postleitzahlen sortiert und gebündelt. Denn nur so nimmt die Post Streifband-Zeitungen (als solche gelten wir, seit wir häufiger als drei mal jährlich eine neue Ausgabe versenden) entgegen. Die Bündel werden in die handlichen gelben Postkartons gepackt und die müssen dann wieder eingeladen werden und kommen so am gleichen Tag noch in die Posteinlieferung. Wenn die Post ihre vollmundigen Versprechen halten würde, dann hätten die Abonnenten das Heft spätestens 48 Stunden später, aber wir kennen inzwischen Wartezeiten von bis zu 1 ½ Wochen. Kunden, die umgezogen sind und uns ihre neue Adresse nicht rechtzeitig mitgeteilt haben – Nachsendeaufträge schließen im Kleingedruckten Streifbandzeitungen explizit aus – gehen erstmal leer aus. Wenn alles gut geht, bekommen wir eine Postkarte mit der neuen Adresse. Der Original-Umschlag mit den Schlagzeilen geht in den Müll oder wird von interessierten Postlern gelesen.
Parallel zum Abo-Versand werden am Packtisch die Pakete an den Erotik-Fachhandel gepackt, in die Selbstbucherlisten eingetragen und mit Rechnung versehen. Die Abholung der Pakete erfolgt nachmittags und da die neue Ausgabe meist bis abends eingepackt wird, gehen die Pakete er am folgenden Tag in die Post.
Hamburger Händler werden von uns direkt beliefert, eine Stadtrundfahrt, die meist Jan und ich unternehmen.
Nach vier bis fünf Stunden ist der Spuk vorbei und wir alle rechtschaffen groggy. Die Pakete türmen sich und der Paket-Abholer der Post am nächsten Tag schaut erschrocken, wenn er die Bescherung sieht.
Tja und diesmal waren wir froh, dass es nur die halbseitig gesperrte Reeperbahn war, die uns behindert hat und nicht noch außerdem Schnee und Eis oder Regen, denn die Paletten stehen nach dem Abladen vom LKW zwar geschützt unter der vorkragenden Hauswand, aber Schnee-Gestöber und typisch Hamburger Regensturm schafft es natürlich trotzdem bis dahin zu kommen. Aber bisher haben wir es immer geschafft, sowohl Schlagzeilen als auch Bücher trocken in unser Lager zu bekommen.
Und euch wünsche ich natürlich auch dass ihr sowohl trocken als auch warm in den Frühling kommt und nicht eine dieser langwierigen Erkältungen eingefangen habt, wie sie zur Zeit hier bei uns grassieren.
Matthias, froher Hoffnung, dass es doch endlich Sommer wird.


