Lesetag
Wir freuen uns an den Text-Zusendungen, seien es Geschichten, Leserbriefe oder Schwerpunkt-Texte. Aber natürlich finden wir Post von Euch egal in welcher Form prima, gibt es uns doch das Gefühl im Austausch mit Euch zu stehen. Besonders viel Spaß haben wir an Antworten auf abgedruckte Texte, die wir meist gerne abdrucken. Als Print-Medium sind die Schlagzeilen ja eher langsam, vergleicht man das Tempo mit dem wir inzwischen aktuelle Änderungen und News in unseren Online-Auftritt einpflegen können. Besonders auf den Leserbrief- oder Kolumnen-Seiten finden wir eine Diskussion spannend.Aber wie ist das nun, wenn man uns einen Text zukommen läßt?
Alle Texte landen erstmal auf meinem Schreibtisch, egal ob sie als Mail oder auf Papier kommen. Im allgemeinen sortiere ich die Texte gleich nach Art: Leserbriefe und Schwerpunkt-Texte werden sofort gelesen und dann entscheide ich, ob und wann die Texte veröffentlicht werden. Da das ganze zeitnah passiert, erfahren die Autoren im meist innerhalb von 24 Stunden, was mit ihrem Text geschieht.
Bei Geschichten und Buchentwürfen sieht es ganz anders aus. Da im Verlag selten die Ruhe herrscht, die ich mir wünsche um entspannt und konzentriert Texte lesen und beurteilen zu können, werden diese Texte mit einem Laufzettel versehen und eventuell schon in unsere Geschichtenverwaltung eingetragen. Dann kommen sie zu mir nach hause auf einen Stapel. Je nach Höhe dieses Papierberges nehme ich mir dann für einen Tag frei und mache einen „Lesetag“. Wenn ich Glück habe, kann ich dabei auf dem Balkon sitzen, Tee trinken und im Hintergrund Musik spielen lassen. Aber, wie in Hamburg üblich, das Wetter ist oft nicht danach. Also sitze ich meist in meinem Wohnzimmer und arbeite mich durch die Texte. Ganz schnell wird das dann ein Zehnstunden-Tag. Manche Leute meinen, es wäre toll, den ganzen Tag SM-Geschichten lesen zu können. Aber ich lese die Texte ja nicht zu meiner Erbauung oder um mich erotisch zu stimulieren, sondern um sie zu beurteilen und das ist in erster Linie Arbeit und erst in zweiter Linie Vergnügen.
Die Texte sind nach Eingangsdatum sortiert und so lese ich sie auch. Das heißt, die Reihenfolge ist zufällig. Es gibt Tage, an denen lese ich gleich als erstes einige sehr gute Geschichten, dann ist meine Erwartung natürlich höher geschraubt, als wenn ich erstmal eher durchschnittliche oder gar langweilige Texte gelesen habe.
Ärgerlicherweise gibt es eine Grauzone mit Texten, die eigentlich ganz okay sind, aber eher sehr traditionell oder sonstwie ohne einen gewissen Kick. Diese Texte können dann schon mal auf dem Stapel „Nicht zur Veröffentlichung“, wenn mir vorher nur gute Texte untergekommen sind. Oder sie sind so viel besser, als die vorher gelesenen eher uninteressanten Texte, dass sie dann doch auf dem Stapel „Zur Veröffentlichung“ abgelegt werden. Dabei wird meist schon entschieden, ob der Text eher etwas für die Schlagzeilen ist oder doch besser in die Bösen Geschichten paßt.
Nach einem Lesetag kommen die Texte wieder zurück ins Büro. Zuerst werden die Ablehnungen geschrieben und danach die Zusagen. Bei den Ablehnungen versuche ich in einem Satz den Grund der Ablehnung darzustellen. Text-Beurteilung ist ohnehin Geschmackssache und wenn mir etwas gefällt, so heißt das noch lange nicht, dass der Rest der Redaktion einverstanden ist. Daher kann es auch mal zu nachträglichen Ablehnungen kommen. Aber ich bin mir jederzeit bewußt, dass die Autoren ein Recht auf sachliche Kritik haben und dass es für jeden ein mutiger Schritt ist, mit von ihm Geschriebenen an die Öffentlichkeit zu gehen. Und das versuche ich zu honorieren, egal ob mir der Text gefällt oder nicht.
Jetzt werden die Geschichten (sofern sie als Datei vorhanden sind) in unser Archiv gestellt, sortiert nach passiven Frauen und passiven Männern. Und dort nehme ich sie dann auch in etwa der Reihenfolge ihres Eingangs bei uns raus, wenn ich die Texte für eine neue Schlagzeilen- oder Böse Geschichten-Ausgabe zusammenstelle. Daher kann es manchmal abhängig vom Stand unseres Archivs bis zur Veröffentlichung einer angenommenen Textes bis zu einem Jahr dauern.
Und weil das alles seine Zeit braucht, bitten wir Euch Autorinnen und Autoren um etwas Geduld.
In diesem Sinne,
Matthias


