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Fußball-Sommer

Ja, auch wir SM-Leute kommen nicht dran vorbei, müssen unter abgesagten Dates (sorry, aber heute spielt Deutschland), mißglückten Sessions (mein Gott, wer schreit denn da so laut, ICH bekomme doch grad Haue) und dem neuen schwarz-rot-goldenen oder sonstwie geflaggten „Hanky-Code“ (rechte Seite passiv?) leiden. Wo auf St.Pauli neulich noch vergnügungssüchtige Perverse auf und ab spazierten, sieht man vor lauter Fahnengeschwinge kaum noch die Eingänge zu den einschlägigen Shops und Boutiquen. Tröstlich nur, dass bei einer Kurzumfrage im SM-Freundeskreis die meisten die WM 2006 immer noch mit Mißachtung strafen und auch in der Sklavenzentrale hat sich bisher noch kein neuer Zirkel „SM-WM“ gegründet. Das läßt hoffen, auch wenn zumindest zwei Leute aus meinem Bekanntenkreis in Tipp-Gemeinschaften sind und mich ungefragt über ihren Stand informieren. Eine neue Art des Dommens? Oder doch nur eine Art sich masochistischen Gelüsten hinzugeben? Aber das wird wohl erst die Zukunft (also spätestens der 9.7.06) ergeben. Glücklicherweise liegt die nächste Respekt-Party, die ich in Hamburg mit organisiere, auf einem spielfreien (also nicht im SM-Sinne, sondern fußballerisch gesprochen) Tag, zwei Tage vor dem Endspiel, wenn das nicht eine glückliche Fügung der SM-Götter ist.
Überhaupt SM-Götter! Was soll das eigentlich sein? Bisher dachte ich, dass wir SM-Leute nur einen Schutz-Patron haben, den heiligen Sebastian. Wer sich in christlichen Martyrer-Geschichten nicht auskennt, dem sei hier erzählt, dass Sebastian ein christlicher römischer Soldat war, der Ärger wegen einer Frau hatte und daher von seinem Nebenbuhler ganz unchristlich zu Tode gefoltert wurde. Dies geschah mittels einer Gruppe Bogenschützen, die die Maßgabe hatten, ihre Pfeile dem heiligen Sebastian nur in die nicht lebenswichtigen Körperteile zu schießen. Unfreundliche Sache! Manch einer, der die Geschichte nicht kennt, hat aber schon seine Abbildungen gesehen, denn besonders in der klassischen Malerei, aber auch in der modernen Fotografie, ist das Sujet des lasziv sich dehnenden, an einem Pfahl oder Baum gefesselten attraktiven jungen Mann, der gespickt mit Pfeilen ist. Diese Bilder lösen in mir immer den gleichen Gedanken aus: Welch schöne Hingabe an das Leiden! Und manchmal wünsche ich mir, dass sich der eine oder andere Bottom (wie es so schön im Internet-Denglisch heißt) ein Beispiel an dieser Ikonographie nimmt.
Aber leider scheint es auch in unserer eher profanen Zeit das Bedürfnis nach mehr oder weniger Göttlichem zu geben. Ob es nun der angeblich göttliche Marquis ist, dessen Name für den Begriff des Sadismus herhalten mußte (natürlich hat ihn niemand gefragt) oder irgendwelche als Göttin angebeteten Herrinnen.
Ganz schräge wird es, wenn von Leuten, die eine SM-Technik gut beherrschen als Bondage-Gott oder Single-Teil-Göttin gesprochen wird.
Ich für meinen Teil bin immer ganz gut ohne irgendwelche höheren Wesen ausgekommen.
In diesem Sinne Euch allen noch eine schöne fußballreiche oder auch fußballlose Zeit. Ganz dran vorbeikommen wird ohnehin keiner von euch.

Matthias