Stürmische Zeiten
Wie immer, wenn wir dabei sind, die letzten Arbeiten an einer neuen Schlagzeilen-Ausgabe zu erledigen, spielt Murphy die erste Geige. Ob es nun ein plötzlich fehlendes Brennprogramm am schnellen Grafik-Rechner ist oder der Grafik-Rechner 2 in die Knie geht, weil er mit den Datenmengen unseres reich bebilderten Folders nicht zu Recht kommt, immer reicht es irgendwie für eine Verspätung nachdem schon vorher alles ein bisschen knapp war. Manchmal frage ich mich dann, wie es die Tageszeitungen machen, denn die können die Freitags-Ausgabe ja auch nicht erst am Samstag rausbringen.Mal abgesehen davon, daß es in der neuen Ausgabe doch noch nicht einen Katalog geben wird, sondern dieser erst in der Ausgabe 91 fertig sein wird.
Nein, es ist sicherlich nicht die Sturmflut schuld, die wir letzte Woche zwei mal hatten und auch nicht der drohende Orkan Cyrill. Glücklicherweise ist der ja für den Donnerstag angesagt, an die Vol 90 aus der Druckerei kommen sollte, aber nun kommt die Ausgabe doch erst am Freitag, Murphy sei Dank (s.o).
Die Zeiten versprechen aber dennoch stürmisch zu werden, denn wir müssen „Die Verfeinerung“ und „Das SM-Handbuch Spezial 1“ nachdrucken und in den nächsten Tagen geht dann auch noch (mehr als überfällig) die „Herrin um Turm 2 – Im Exil“ in Druck.
Außerdem haben wir die Verfilmungsrechte für eines unsere Bücher verkauft und sind natürlich gespannt bis zum Geht-Nicht-Mehr was dabei rauskommen wird.
Es ist ohnehin immer wieder verwunderlich, wie sehr wir hier in Hamburg unter dem Eindruck des Wetters stehen. Und sei es, daß wir ein gemeinsames Thema haben über das sich vortrefflich klönen lässt.
Apropos gemeinsames Thema: Sicher fragt ihr euch, was denn das ganze mit unserem Lieblingsthema zu tun hat und was der Autor mit seinem Reden über Murphy und Sturmflut erreichen will.
Die Kolumne, die einmal im Monat erscheint, ist immer so ein Stückchen ins Blaue geschrieben, denn bisher habe ich zwar von vielen Leute gehört, die sie lesen, aber niemand hat mehr als „gefällt mir“ gesagt. Und daher fabuliere ich eben ein bisschen rum. Denn SM ist zwar wichtig für mich, aber eben auch nicht mehr als das Tüpfelchen auf der schönsten Nebensache der Welt: Sex!
Aua! Nicht mit Steinen schmeißen! Klar doch, SM ist DAS Thema, aber es gibt eben mehr Themen. Manch einer hat sein – oft virtuelles – Wohnzimmer zu einem Kerker, einem hoheitliches Schloss, einem herrschaftlichen Salon oder was auch immer umgebaut (und wenn es auch nur in der regen Phantasie ist, die uns SM-Leuten ja meist zueigen ist). Und natürlich ist eines der Hauptthemen, wenn wir miteinander sprechen nicht Fussball oder das neue Auto, sondern die Frage, wie man mit der neuen Riemen-Peitsche am besten Spuren erzeugt und was der Trick beim TimeBond ist, diesem Schloss, welches unentrinnbar für eine festgesetzte Zeit geschlossen bleibt. Und wenn nicht das, dann geht es ganz oft darum, wie und wo ich mir eine Sklavin schnitzen kann und wo es geeignete Herrinnen gibt, was einen guten Male-Dom ausmacht und wie man sich seinen Leib-Sklaven so erzieht, daß er einem nicht immer den letzten Nerv raubt. Dass manche dieser Überlegungen ein wenig über das Ziel hinausschießen, dass es gerade bei Diskussionen auch mal stürmisch (sic!) zugeht, ist dabei nicht verwunderlich, haben doch die meisten von uns ganz genaue Vorstellungen, von dem was gut und richtig oder falsch und gefährlich ist. Auch wenn diese Vorstellungen sich nicht immer mit denen anderer Leute decken, so ist es doch immerhin etwas, wenn wir mit genau denen im Gespräch bleiben, statt uns in einen (windstillen) Schmollwinkel zurückzuziehen.
Miteinander reden, egal ob über SM oder Anderes, ist wenigstens allemal besser, als sich an Selbstgesprächen zu ergötzen.
In diesem Sinne wünsche ich euch einen nur im übertragenen Sinne stürmischen Januar,
Matthias


