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Die Zeit heilt alle Wunden?

Vor kurzem erhielt ich eine SMS. Sie kam von einer guten Freundin zu der ich in letzter Zeit nur unregelmäßig Kontakt hatte, da sie aus Hamburg weggezogen ist.
Die Nachricht lautete: „Ich habe Michi tot in seiner Wohnung gefunden“. Zuerst dachte ich an einen Selbstmord ihres Freundes, aber in einem Telefonat klärte sie mich darüber auf, dass Michi in der letzten Zeit immer mehr auf der Suche nach dem definitiven Kick war und angefangen hatte, mit Atemreduktion zu spielen. Sie hatte ihn zwar mehrmals auf die Gefahren hingewiesen, die bestehen, wenn man alleine für sich damit spielt. Aber das schien ihn nicht davon abhalten zu können. Dass er das Mobil-Telefon neben seinem Kopfkissen nicht mehr benutzen konnte, nachdem er ohnmächtig geworden war, hätte ihm schon vorher klar sein müssen.
Heute bat sie mich, diese Geschichte zu erzählen, damit sein Tod vielleicht andere davon abhält, selbst alleine Experimente mit Atemreduktion zu machen.
Michis Tod reiht sich in die Reihe mehr oder weniger bekannter Opfer dieser sexuellen Spielart ein. Auf den SM-Seiten die sich mit diesem Thema und seinen Sicherheitsaspekten beschäftigen steht immer groß: Nicht alleine machen! Aber wann hat sich jemand immer rational und vernünftig verhalten. Da nützt auch die Auflistung von Unfällen nichts.
Wir sind eben Menschen und suchen den Kick. Einige begnügen sich mit 200 km Tempo auf der Autobahn oder einer Achterbahnfahrt, andere machen trotz hohem Verletzungsrisiko Extremsportarten und wieder andere spielen halt mit Atemreduktion oder der Reduzierung der Sauerstoffzufuhr ins Gehirn. Meistens geht es gut, wie sonst auch, aber es gilt doch all zu oft „Murphys Law“: Was schief gehen kann, geht auch schief.
Menschen sind eben nur vernunftbegabt, das heißt, sie haben die Anlagen und Möglichkeiten, sich so zu verhalten, dass die Lebensrisiken minimiert werden. Aber auch da gibt es ein Restrisiko. Denn das ist auch Teil des menschlichen Lebens.
Doch wenn es nicht das Restrisiko ist, welches uns schreckt, welche Lehren kann man denn dann aus derartigen Geschehnissen ziehen?
Vielleicht diese: Es gibt immer Leute, die einen finden, wenn das Spiel tödlich ausgegangen ist. Und oft sind es eben jene, die einem im Leben viel bedeuten. Und da sollte man sich fragen, ob man es denen zumuten will. Ob man mit gutem Gewissen seinen ultimativen Kick suchen kann, wenn dabei die Gefahr besteht, jemand anderen zu verletzen. Und eine Verletzung ist es allemal dann, wenn es sich um den Partner handelt, um das eigene Kind oder einen Elternteil. Dass man damit vielleicht einen Blick erlaubt auf das eigene heimliche Leben – egal. Dass man den anderen aber zurücklässt mit der Frage: War dir dein Kick wichtiger als ich es für dich bin? Oder schlimmer noch: Ist das alles vielleicht auch nur ein geschickter, nur wie ein Unfall aussehender, Selbstmord gewesen?
Meine Freundin meinte, der Text wäre ihr wichtig, ein Nachruf auf Michi hingegen egal.
Hier habt ihr ihn.

Matthias

Bea bat mich folgenden Text von ihr dazu zu setzen:
"Michi wollte nicht sterben.
Er würde furchbar leiden wüßte er wie ich ihn gefunden habe.
Ich bin dankbar, dass ich es war die ihn finden durfte.
Er ist in seinem Fetisch und in seiner Leidenschaft gestorben. Er hat sich sichtlich nicht quälen müssen. Einen schöneren Tod hätte es für ihn nicht geben können, das macht mich sogar glücklich.
Der Schmerz den ich fühle läßt sich mit Worten nicht ausdrücken.
Er hat mein Leben verändert.
Er hat mein Leben geprägt.
Jede Stunde mit ihm war ein Geschenk.
Er war IMMER selbst- und bedingungslos für mich da.
Wir haben uns wahrhaft und aufrichtig geliebt. In guten wie in schlechten Zeiten (und davon hatten wir wirklich SEHR viele).
EINZIG BLEIBT DAS UNVERSTÄNDNIS, DASS ER, DER SICH SELBST IMMER SICHERHEITSFANATIKER" GENANNT HAT, DAS RISIKO UNTERSCHÄTZT HAT.
Ich hoffe er hatte den ultimativ geilen Kick. Er hat ihn teuer bezahlt.
Ich wünsche ihm, dem ewig Rast- und Ruhelosen, daß er da wo er jetzt ist glücklich ist und seine gequälte Seele Ruhe findet.
Bea"

Wichtige Links zum Thema: Das Datenschlag Atemspiel How-To
Und hier besonders: Autoerotische Spiele