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Nicht alles Gold was glänzt

Draußen quengelt der Herbst um die Häuser, das Wasser der Elbe schwappt stahlgrau gegen die Pontons der Elbbrücken, ein paar Unentwegte ziehen Schals und Mützen fester um den Kopf. Der Schirm wird zum ständigen Begleiter, wie ein alter Freund.
Bei dieser Tristesse ist es nur gerecht, dass wir es uns gemütlich machen in unserer Szene.
Heute zusammen einen Film in der Unschlagbar gucken, dann einen Abstecher zur Black Night im Sittsam, die Extravaganxa lässt auch nicht lange auf sich warten. Oder doch lieber ein Besuch im SM-Touch und zur Party im Club de Sade? Die Respekt-Party war ja grad, genau wie die Obsession, muß man halt auf die Via Umbra gehen. Und wenn alle Stricke reißen, lässt man es sich gut gehen beim Havanna Pain Club und lässt das garstige Wetter bei Havannas und gutem Whiskey draußen toben.
Ja, wir haben es gut! Oder vielleicht doch nicht? Immerhin gibt es ja noch all diejenigen, die keinen Partner, keine Partnerin gefunden haben, deren einzige Kontakte in der virtuellen Welt des Internets passieren, die sich nicht mal wirklich trauen vor sich selber zuzugeben, dass sie Lust auf diese Sexualität jenseits der Normen haben.
Natürlich können wir uns auf den Standpunkt stellen, das sei ja alles nicht unser Problem, denn wir habe es ja geschafft, doch so einfach sollten wir es uns nicht machen.
Wenn ich mir die Beziehungs-Fluktuationen innerhalb der Szene anschaue, dann denke ich, manchmal geht es schneller als man denkt, bis man wieder alleine ist und sich von neuem auf die Suche machen muß.
Und auch mit dem schon abgearbeiteten Coming-out ist es manchmal nicht weit her, spätestens dann, wenn man merkt, dass die eigenen Bedürfnisse und Wünsche auf Widerstand innerhalb der eigenen Gruppe stoßen.
Ob es dabei um eine Technik geht, die andere nicht gutheißen oder darum, dass man Bock auf etwas hat, welches angeblich nicht rollenkonform ist (Ein Top lässt sich nicht piercen, musste ich vor Jahren mal hören), man ist schneller als man denkt wieder außen vor.
Oder wenn ich an die Diskussionen denke, die um Richtig und Falsch gehen, meist ausgehend von so manchem Unsinn, welcher immer mal wieder gerne gerade im Netz kolportiert wird, dann können da auch Gräben aufbrechen, die sich nicht so einfach kitten lassen.
Daher sind gerade die niedrigschwelligen Angebote für Neulinge wie sie etwa die Hamburger Gruppe Schlagwerk e.V. anbietet so wichtig. Auch die Beratungs-Hotlines, wie sie von uns (040-31 32 90 – meist mache ich die Beratung oder Bikkya, denn wir sind ja beide ausgebildete Sozialarbeiter)und anderen Gruppen angeboten werden können ein bisschen helfen, so manche Unklarheit und manches Problem zu lösen oder zumindest Anstöße in eine mögliche Konflikt-Lösungs-Richtung zu geben.
Daher brauchen wir Leute, die weiterhin bereit sind, mehr zu machen, als einfach nur das Angebot zu nutzen, welches andere für sie bereitstellen. Wir brauchen Freiwillige, die Lust haben Neulinge an die Hand zu nehmen. Wir freuen uns über jeden, der weiter als nur bis zu seinem eigenen Horizont schaut und der nicht vergisst, dass auch er mal mit Fragen angefangen hat.
Denn nur so wird die Szene lebendig bleiben.
In diesem Sinne,
Matthias