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Kunst und/oder Pornografie?

vor einiger Zeit war ich als Referent und Bondage-Trainer beim Berliner Pornfilmfestival. Auch wenn zeitnah die größte Erotik-Messe der Welt in Berlin stattfand, so hatte das Festival einen völlig anderen Charakter.
Ins Leben gerufen von einem schwulen Pornofilmer widmete sich diese Veranstaltung der Frage „Gibt es pornografische Kunst und künstlerische Pornografie?“.
Neben Ausstellungen mit Fotos und Grafiken erotischer Künstler, einigen Diskussionsveranstaltungen und einem lockeren Rahmenprogramm gab es in erster Linie Filme aus den unterschiedlichsten Genres. Von schwul, lesbisch, schräge bis hin zu Fetisch und SM reichte die Palette der gezeigten Arbeiten, von denen einige ihre Kinopremiere auf dem Festival feiern konnten.
Natürlich ist die Frage nach Kunst und Pornografie auch eine Frage nach der Qualität guter Erotik, sei es nun in Bild, Film oder Buch.
Wenn man manchen weiblichen Porno-Filmerinnen zuhört, dann kommt man schnell an den Punkt, an diese immer wieder feststellen, das das gefilmte und fotografierte Bildmaterial in seiner üblichen Machart Frauen nur am Rande anspricht, denn Frauen wollen scheinbar etwas anderes sehen, als das männliche Publikum.
Natürlich ist das in einem Business in dem Frauen zwar vor der Leinwand mitspielen, aber dahinter meist eher zum Kaffee-Kochen und als Visagistin und vielleicht noch Ausstatterin arbeiten, selten jedoch die Kamera führen oder gar die Skripte schreiben, kaum möglich Filme zu produzieren, die sich an den Bedürfnissen weiblicher Betrachterinnen ausrichten.
Doch das ist ohnehin die Frage: Was zeigen die männlich produzierten Filme? Ist es wirklich das was Männer sehen wollen oder doch eher das, wovon männliche Produzenten glauben, was Männer interessieren müßte? Und kaufen Männer sich diese Filme, weil sie genau das wollen oder doch eher, weil es kaum etwas anderes gibt? Und wie ist es im Bereich Fetisch?
Immer wieder wird berichtet, dass es bei der Produktion von SM- und Fetischfilmen darum geht, dass die Darsteller authentisch sein müssen, das heißt, dass sie nicht schauspielern, sondern sich selbst darstellen in ihrer ganz eigenen Sexualität.
Wenn ich mir manches Domina-Bild anschaue, dann kommt mir immer mal wieder der Gedanke, dass es bei diesen Bildern nicht um die Ausstrahlung von Dominanz geht, sondern eher darum, wie gut das Latexkleid sitzt und ob die Lackstiefel auch wirklich bis über den Oberschenkel gehen.
Männliche Dominanz wird da ganz anders, wenn überhaupt, dargestellt. Da geht es weniger um die äußeren Attribute, sondern um das was sie machen und wie sie es machen.
Auch hier wieder nur der männliche Blick, der die Regeln aufstellt.
Aber ist es das, was wir Männer wollen? Lack und Latex als Ausdruck der weiblichen Dominanz? Idealfigur statt echter Ausstrahlung?
Vielleicht würde es sich ein wenig ändern, wenn mehr Frauen sich trauen und hinter der Kamera endlich das produzieren, was sie wollen.
In diesem Sinne,
Matthias