Messe-Chaos
Wer das Pech hatte uns vor Pfingsten oder kurz danach zu besuchen, fand leere Regale, Kistenstapel, hektische Kollegen und gestresste Chefs. Ganz so schlimm ist es am Boundcon-Wochenende zwei Wochen später nicht, denn dies Mal gilt es ja einen im Gegensatz zur Messe auf dem WGT in Leipzig nur 25% großen Stand zu bestücken. Und natürlich nehmen wir nur die Sachen mit, die nicht ohnehin durch unsere Lieferanten, die selbst einen Stand auf der Messe haben, präsentiert werden.Für mich war das WGT ziemlich entspannt, denn ich habe mit der Orga und dem Stand nichts zu tun, weil es Gelis „Baby“ ist. Ich tauchte nur auf, um ein bisschen Bondage am Stand zu machen.
Ganz anders die Boundcon: Hier habe ich zwar einen großen Teil der Vorbereitung an Nicole delegiert (bin eben nicht wirklich ein Messe-Mensch), aber dafür wird es drei Tage Bondage satt geben. Neben den Shows und Workshops auf der Hauptbühne gibt es ja noch die Bondage-Bühne und zu guter letzt haben wir ja auch unser eigenes Bondage-Gestell dabei.
Wie immer wird es Leute geben, die mich fragen werden, ob ich sie mal fesseln werde und als neuesten Gag haben wir uns ausgedacht, dass die Leute für kleines Geld ein Stück Seil kaufen können, welches sie sich dekorativ von mir auf den Körper binden lassen können.
Aber bis wir in München sind, ist vorher noch so einiges zu erledigen.
Neben großen Teilen unseres papiernen, ledernen und metallenen Warenbestandes (und natürlich noch diverse Sachen aus anderen Materialien) muß ja von Tesa bis Kugelschreiber, Wechselgeld bis Karten-Lesegerät ein kleines Mini-Büro dabei sein und natürlich dürfen so wichtige Dinge wie Wasserkocher, Stühle und Dekomaterial auch nicht fehlen.
Das Ganze wird in einen kleinen Laster verstaut, mit dem wir dann zu dritt mehr oder weniger gemütlich nach München tuckern. Solange es nicht wieder der heißeste Tag des Jahres wird und wir einen Wagen ohne Klimaanlage haben, ist das nicht so schlimm. Aber nach der Sitz-Partie muß ja am gleichen Abend der Messestand noch aufgebaut werden, damit es am ersten Messetag nicht so hektisch wird.
Ich weiß schon, dass ich wie immer beim Standaufbau im Weg sein werde, aber dafür kann ich mich schon mal mit all den Stand-Nachbarn unterhalten, die man über die Jahre kennen gelernt hat.
Wie immer ist die Boundcon die Messe, auf die ich mich schon ein ganzes Jahr freue, weil man hier nicht nur viele nette Leute trifft, Freunde wiedersieht und so manches interessante Gespräch führen kann, sondern in erster Linie, weil man live erleben kann, wohin sich die Bondage-Szene in Deutschland, Europa und den USA entwickelt seit dem letzten Jahr entwickelt hat.
Welche Show macht der, wie sieht die Bondage bei dem aus, setzt sich die neue Version des japanischen Oberkörper-Harness durch, oder bleibt man doch lieber beim Altbewährten? Was zeige ich selber und wie habe ich mich entwickelt?
Und abends fällt man dann tot ins Bett, müde vom Bondage-Machen und Reden, von der Hallenluft (in der man leider dieses Jahr nicht mehr rauchen darf – naja, ich werds überleben) und dem ständigen Geräuschpegel. Nicole wird wunde Finger vom Korsett-Schnüren haben, Pia und Michel werden tapfer ackern was das Zeug hergibt.
Und nach drei Tagen, in denen man neben neuen Kontakten alte gepflegt hat, viel zu sehen bekommen hat und bestrebt war, möglichst wenig Ware wieder nach Hamburg zurück zu nehmen, muß man die Messe wieder abbauen und die Reste im Wagen verstauen.
Danach – so will es die Tradition – gehen wir vom Schlagzeilenstand schick essen und lassen die Tage nochmal Revue passieren.
Und dann geht es am nächsten Tag wieder zurück und abends in Hamburg falle ich dann nur noch ins Bett!
Man sieht sich hoffentlich,
Matthias


