CSD – was ist denn das?
Eigentlich ist der Christopher Street Day eine Veranstaltung der lesbischen, schwulen und Transgender-Szene. Neben politischen Forderungen nach Gleichstellung, Antidiskriminierung und mehr sind die oft mehrere Tage andauernden Straßenfeste, deren Höhepunkt eine Parade ist, wie an diesem Wochenende in Hamburg, natürlich auch Fest- und Karnevals-Charakter.Vor etwa 15 Jahren, als es den CSD eher noch als kleines Ereignis mit ein paar Hundert Teilnehmern gab marschiert noch eine weitere sexuelle Minderheit mit: Heterosexuelle Sadomasochisten. Im Verständnis großer Teile der SM-Szene (egal ob lesbisch, schwul, hetero oder transgender) ist der CSD auch für andere sexuelle Minderheiten da, denn ohne die ersten Kämpfe um Gleichberechtigung von schwul-lesbischer Seite, hätte es wahrscheinlich auch keine SM-Bewegung resp. -Szene gegeben und wenn doch dann erheblich später.
Nicht alle Gruppierungen sind damit glücklich, aber bisher kam es höchstens mal zu Diskussionen.
Ob nun in Wien von menschlichen Ponys gezogene Kutschen, in Hamburg Rikschen und Sulkys, die eher schwarz gekleidete Truppe ist besonders für Zuschauer ein gerne gesehens Foto-Objekt. Nicht zuletzt wahrscheinlich, weil es so manche peitsche zu bewundern gibt, Netz-Anzüge eine freizügigen Einblick erlauben und Latex-Liebhaber oder andere Fetischisten ohnehin soviel Exotik für den Normal-Bürger haben, dass er das gerne auf die Festplatte bannt.
Sinnvoller als das bunte Treiben auf der Parade, so finde ich. ist sicherlich der drei Tage geöffnete Infostand an dem Flyer verteilt werden, Neugierige ihren Wissensdurst stillen können oder man einfach mal durch einschlägige Fachliteratur blättern kann. Aber das ist natürlich nicht mit einem so großen Spaß-Faktor versehen, wie die mehr oder weniger exhibitionistische Parade, die in Hamburg zur besten Einkaufszeit durch die Haupteinkaufsstraßen zieht um dann in Blickweite vom Rathaus am Jungfernstieg zu enden, wo sich auf der einen Seite die Infostände der CSD-Teilnehmer gruppieren, während Jahr für Jahr die Anzahl der Fress- und Saufbuden auf der anderen Seite größer wird.
Aber immerhin werden die Infostände von vielen Menschen mit echtem Interess besucht und nach den vielen Jahren kann man sagen, dass es so manchem Besucher das eine oder andere Klischee zum Thema SM zerstört hat.
Vielleicht sieht man sich ja, auch wenn ich in diesem Jahr kein Bondage-Gestell habe, weil es anderweitig verplant ist.
Matthias
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