Schreiben für die Schlagzeilen bzw. den Charon Verlag
[...] Könnt ihr aus eurer Sicht werdenden „Literaten“ Ratschläge an die Hand geben? Zum Beispiel:
· Was darf man schreiben, ohne mit der Justiz in Berührung zu kommen (Tabubereiche)?
· Habt ihr Auswahlkriterien (was kommt in die Schlagzeilen, was in die Bösen Geschichten, was wird abgelehnt)?
· Für umfangreiche Werke wendet man sich gleich an den „Grimme Verlag“ oder an euch
· Veröffentlichungen unter Pseudonym oder eigenem Namen, was sind die Vor- und Nachteile?
[...]
Thomas
Diese Leseranfrage war der Anstoss für den folgenden Text.
Um gleich von Anfang an ein Missverständnis auszuräumen: Die Redaktion der Schlagzeilen hat vor einigen Jahren dem Verlag, der die Schlagzeilen, die BÖSEN GESCHICHTEN und später dann auch die Reihe BLACK LABEL veröffentlichte, einen Namen gegeben: CHARON VERLAG. Aus juristischen Gründen (Gesellschaftsform, Firmierungsrecht) muss noch der Name eines der Gesellschafter auftauchen, deswegen heißt der Verlag CHARON VERLAG Grimme KG. Die Besitzer dieses Verlages sind identisch mit den drei gleichberechtigten Redakteuren (Geli, Jan, und Matthias) der Schlagzeilen. So wie alle Kundendaten durch Gelis Hände gehen, Jan sich als Art Director für das Aussehen aller Produkte des Verlages verantwortlich zeichnet, so gehen ALLE Texte – egal ob an den Verlag oder an die Schlagzeilen – erstmal durch Matthias Hände, der für die Textredaktion verantwortlich ist.
Der Text wird mit einem Laufzettel versehen, gelesen und eventuell von einer zweiten Person gegengelesen. Dann fällt die Entscheidung, ob wir ihn veröffentlichen. Das kann manchmal einige Wochen dauern, da die Texte in unserer Freizeit außerhalb der Bürozeiten gelesen werden. Dann gibt es einen Brief mit einer der beiden Standardformulierungen: „hat uns nicht so gut gefallen“ (hierzu meist ein paar erklärende Stichworte) oder „hat uns ziemlich gut gefallen“. Diese Art von Textbaustein-Brief hat bei einigen Autoren immer mal zu Unmutsäußerungen geführt, doch ein individueller Brief würde erheblich mehr Zeit in Anspruch nehmen, und dann müssten die Autoren noch länger auf eine Antwort warten. Wir haben uns daher für die weniger schöne, dafür aber effektive Form entschieden.
Kürzere Texte bis zu maximal vier Schreibmaschinenseiten, die eher typisch für SM-Geschichten sind, kommen wahrscheinlich in die Schlagzeilen. Längere und eventuell ausgefallenere Geschichten kommen in die BÖSEN GESCHICHTEN. Romanmanuskripte und Kurzgeschichtensammlungen eines Autors sind für die BLACK LABEL Reihe vorgesehen oder auch für unsere geplante neue Reihe mit Paperback Büchern in kleinerer Auflage.
Eine gute Chance angenommen zu werden haben Geschichten und Texte, die folgenden Kriterien entsprechen:
• Der Text beschreibt eines der verschiedenen Sub-Genres der SM-Literatur auf spannende und möglichst unterhaltsame Weise.
• Der Text bleibt auch da wo er mit Klischees spielt unvorhersehbar.
• Der Inhalt ist auf subtile Weise (und im SM-Sinn) böse, gemein, frech ohne dabei in Derbheiten abzurutschen.
• Die Geschichte ist geil, ohne ins Pornographische abzugleiten.
• Wir lieben Brüche in Geschichten, daher haben wir nicht dagegen, von einem Dom zu lesen, der Angst hat oder unsicher ist oder von einer Sklavin zu hören, die vorlaut ist und ihren Dom quält.
• Geschichten, die sprachlich überzeugen oder inhaltlich beeindruckend sind, nehmen wir auch, wenn sie vielleicht den einen oder anderen Schwachpunkt haben.
• Witz, Ironie, Spaß ziehen wir allemal trockener Ernsthaftigkeit vor.
Eine gute Chance abgelehnt zu werden haben Geschichten und Texte, die folgenden Kriterien entsprechen:
• Die Beschreibung genitaler Praktiken steht im Vordergrund und ist ausführlich beschrieben. (SM-Situationen und Pornografie ergeben verbotene Gewaltpornografie).
• Die Sprache ist eher grob vereinfachend z. B. ist nur die Rede von „Votze“, „Schwengel“, „Sklavensau“
• Die Geschichte ist zu eindimensional, z.B. werden nur Flagellationsszenen beschrieben bei denen seitenlang „der Popo gestriemt“ und „das Strafhöschen stramm gezogen“ wird.
• Die Geschichte ist nicht unterhaltsam z.B. wenn schon nach den ersten Sätzen klar ist, wie es auf den nächsten Seiten weitergehen wird.
• Die Personen der Geschichte sind eindimensional dargestellt, ihre Gefühle bleiben im Dunklen, stattdessen werden sie z.B. nur durch ihr Outfit beschrieben.
• Die Geschichte wird von keinem in der Textredaktion gemocht, über Geschmack lässt sich bekanntlich eben nicht streiten.
• Es werden reale Gewaltsituationen beschrieben, in denen das „Opfer“ keinerlei Lust verspürt, z.B. Folterszenen aus Südamerika oder reale Vergewaltigungen. Geschichten dieses Inhaltes können ganz schnell dem Straftatbestand der Gewaltverherrlichung entsprechen.
• Die Geschichte ist zu klischeehaft: die immergeile, naturveranlagte Sklavin und der stets konsequente, einfühlsame und strenge Herr.
Uns ist es egal, ob die Autorin oder der Autor unter Pseudonym veröffentlicht, nur mit seinem Vornamen (wie wir es normalerweise handhaben, wenn der Autor nichts anderes verlangt hat – Bei mehreren Autoren mit gleichem Vornamen, setzen wir dann noch ein „aus X.“ dahinter, wobei X der Anfangsbuchstabe der Stadt ist, aus der der Autor kommt) oder mit seinem ganzen Namen, das Honorar und das Freiexemplar ist ihm sicher.
Anonym eingesandte Geschichten veröffentlichen wir nicht. Anonym eingesandte Texte anderer Art veröffentlichen wir ausnahmsweise, doch gibt es in diesem Falle kein Honorar.
Ungern setzen wir weibliche Pseudonyme unter von Männern geschriebene Texte (oder umgekehrt).
Über die Illustration der eingesandten Texte entscheidet unser Art-Direktor Jan.
Ansonsten gelten unsere Verlagsbedingungen in der jeweils aktuellen Fassung.
Matthias (Textredaktion)



