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Die Philosophie im Boudoir

Die Philosophie im Boudoir
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Die Philosophie im Boudoir
Oder die lasterhaften Lehrmeister!

Autor/Interpret: Marquis de Sade

Hardcover, 384 Seiten

Ah, der Marquis de Sade, Namensgeber der Sadisten. Hat mich gefreut, mal wieder was von ihm zu lesen, ist schon eine Weile her, dass ich den in der Hand hatte. Natürlich ist es hier nicht damit getan, den Inhalt kurz wiederzugeben und dann zu sagen, ob es geil ist (oder nicht).

Donatien-Alphonse-François, Marquis de Sade (geboren 1740 in Paris, gestorben 1814) ist (nicht nur) unter SM-Menschen umstritten. Zwar wurde die eine Seite unserer Neigung nach ihm benannt, gemeint war damit allerdings der Sadismus im pathologischen, also krankhaften Sinn, der seinen Genuss aus dem Leiden des Opfers zieht, ohne unsere heutigen Errungenschaften der Einvernehmlichkeit und des Beachtens von Grenzen aufgrund des gesunden Menschenverstandes.

Obwohl einige Menschen seine Schriften trotz (oder wegen?) ihrer Grausamkeiten erotisch anregend finden, sollte man nicht vergessen, dass der Marquis diese Schriften nicht zur Stimulation geschrieben hat, sondern um seine politischen Positionen zu vertreten, als deren wichtigste hier die völlige Ablehnung jeglicher moralischer Schranken der Menschheit genannt werden soll. Er war Atheist, Anhänger des Determinismus und befürwortete eine Abwendung von in seinen Augen überholten christlich-religiös fundierten Traditionen. Er bezog sich unter anderem auf die griechische Stoa, deren Ziel eine Abstumpfung der Sinne gegen menschliche Regungen wie Mitleid oder Dankbarkeit sein sollte. Er wurde erst posthum bekannt und ist bis heute Thema vieler philosophischer Auseinandersetzungen bezüglich der Begründbarkeit von Moral. Guillaume Apollinaire nannte ihn "den freiesten Geist, der bisher existierte".

Na ja, mit SSC hatte es der gute de Sade also nicht ... Nachvollziehbar ist beim Lesen seiner Werke der Gedanke der Abstumpfung: Seitenlang werden Quälereien, Vergewaltigungen und Morde beschrieben. Wer anfänglich noch schockiert war, reagiert zusehends emotionsloser, später vielleicht sogar gelangweilt.
Und nun zum Buch „Die Philosophie im Boudoir“: de Sade schrieb dieses Buch vordergründig als Leitfaden für die Erziehung junger Damen. Die 15-jährige Eugénie wird von mehreren Erwachsenen als Sexobjekt benutzt, sie muss lernen, vor anderen zu masturbieren und sich nackt zu zeigen, schließlich wird sie auch vergewaltigt, wobei der Analverkehr als besonders vorteilhaft angesehen wird, da man davon nicht schwanger wird.
Die Sprache ist natürlich gewöhnungsbedürftig, schließlich ist das Buch 200 Jahre alt. Inwieweit die sexuellen Szenen als erregend empfunden werden können, kann ich nicht sagen, es wird eben reale Gewalt geschildert, in Kombination mit philosophischen Gesprächen.

Zilly

Die Philosophie im Boudoir
Die Philosophie im Boudoir