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Das Testament

CD_E Nomine_Das Testament
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Das Testament
E Nomine Audio-CD Spieldauer 57:54
14 Titel
Stil: Gregorianik, Techno, Elektro, Sessionmusik
Die Synchronsprecher von Robert de Niro, Jack Nicholson u.a. rezitieren Bibelworte, unterlegt mit Musik zwischen Gregorianik und Techno.

Rezension in SZ 61

Vor zwei Wochen sah ich zufällig beim Zappen das neue Video „Mitternacht“ von E Nomine. Flugs griff ich zum Kuli und notierte mir auf einem Stück Pralinenschachtel „E Nomine – Sampler?“ Denn schon fast drei Jahre hütete ich die erste Maxi von E Nomine „Vater unser“ wie meinen Augapfel. Immer wieder ließ ich die hypnotische Original-Synchronstimme von Robert de Niro (Christian Brückner), deren Kraft und Faszination ich mich kaum entziehen kann, unter meine Haut kriechen.
„Vater, höre meine Stimme!"
"Herr, höre meine Stimme!"
"Der Herr ist ein Schatten über Deiner rechten Hand!“
Der einhämmernde Sound elektronischer Klänge in Verbindung mit bombastischen Chören und biblischen Texten schienen nicht nur meinen, sondern auch den Nerv der Zeit zu treffen. Fast eine halbe Million verkaufte CDs, ganz oben in den Charts, Gold-Status und Echo-Nominierung und die Kreation eines neuen Musikstils, des "Monumental Dance", zeigten das.
Dies auf der einen Seite und die Liebe zu diesem Stück auf der anderen brachten mir ein unlösbares Problem: Ich baute das „Vater unser“ in den Soundtrack für eine SM-Performance ein, duplizierte Takte, kürzte Töne, beschritt im Geiste schon vor der Generalprobe zig mal die Bühne bei Gewitterdonner, litt tausend Tode vor Aufregung und arbeitete zitternd zwei Nächte durch, um stimmige Musik für die Performance zusammenzustellen. „Vater unser“ als Intro brannte sich in meine Gehörgänge ein. Nie werde ich die Performance selbst vergessen. Und nun sah ich gleichzeitig auf den Dancefloors irgendwelcher hippen Clubs Hunderte gutgelaunter, lachender Leute dazu abtanzen – keine Mystik sah ich, keine getanzten Phantasien, kein Geben und Nehmen, keine Qual und Liebe – was zählte, waren nur die „beats per minute“. Wie sollte ich Euch denn diese Maxi-Single empfehlen? Vielleicht so: ′Zwei tolle Stücke in acht fast gleichen Remixes von Video bis Radio Mix, von Mellow-D.Remix bis zum Pulsedriver-Remix? Sucht Euch die Variante für Eure Session aus.′ – Nein, das verbot mir mein Gewissen. Die zweite Maxi "E Nomine - Denn sie wissen nicht, was sie tun" (Die Geschichte der Kreuzigung Jesu) mit sieben Remixes ein und desselben Stücks konnte das Dilemma auch nicht lösen.
Dabei wäre es so einfach gewesen: Denn bereits Ende 1999 erschien die CD "Das Testament". Sie enthält neben den Songs der beiden Maxis (jeweils nur einmal!) elf weitere Tracks – die ganze Bibel auf einer CD: Am Anfang war ... Die Schöpfung – Vater Unser – E Nomine (Pontius Pilatus) – Die 10 Gebote – Das Abendmahl – Die Sintflut – Himmel & Hölle – Der Fürst der Finsternis – Bibelworte des Allmächtigen – Die Posaunen von Jericho – Ave Maria – Psalm 23 – Hallelujah – Gott tanzte.
Auf einer Webseite, die sich mit der Frage beschäftigt, ob und wie man ′E Nomine′ im Religionsunterricht einsetzen darf, fand ich folgende Beschreibung: "Das Gemeinsame aller Stücke von „E Nomine“ (zu deutsch: „In der Kraft des Namens“) sind die biblischen Zitate. Die deutschen Synchron-Sprecher berühmter Schauspieler (Robert de Niro, Al Pacino, Jack Nicholson und John Travolta) rezitieren ausgewählte Bibelworte, die durch lateinische Chorgesänge im gregorianischen Stil unterbrochen werden. Der Techno-Rhythmus bringt „Rezitativ“ und „Choral“ in einen inhaltlichen Zusammenhang. Er verbindet musikalisch Altes mit Neuem, Vergangenheit mit Zukunft und Bibel mit Lebenswelt. Somit wurde diese Fusion-Musik auf hohem konzeptionellen Niveau computerunterstützt produziert. Die Produzenten Sir Fritz und Chris Tentum halten sich originalgetreu an biblische Worte." Und zum Musikstil, insbesondere dem des "Vater unser", wird hier gesagt: "Die Musik basiert auf synthetischen Klängen. Die verschiedenen dreitönigen Melodiephrasen entstammen dem Material der Pentatonik. Rhythmisch betont die erste motivische Hälfte die Schwerpunkte, die zweite Hälfte benützt synkopische Verschiebungen. Dadurch wirkt der gesamte Rhythmus wie bei einem Rave während der Love-Parade. Der Zuhörer wird dahingehend stimuliert, daß er sich tanzend nach vorne bewegen möchte. Der gregorianische Gesang beginnt immer auf dem zweiten Taktschlag, wodurch diesem Background-Chor ein stilfremdes Element anhaftet. Alle melodischen und rezitierenden Abschnitte sind 4-, 8- oder 16taktig angelegt." Nun wissen wir es ganz genau! Echt toll! Ich kann mich dem Gesagten nur anschließen, denn ich hätte sicher weniger gesetzte Worte aufgrund eines mir abgehenden Musikstudiums gefunden.
Übrigens war De Niro selbst an der Entstehungsgeschichte des Projekts E Nomine nicht ganz unbeteiligt. So inspirierte der Film "Sleepers", in dem er einen Priester spielt, die Produzenten zu den Vertonungen. Eine gelungene Mischung aus gefühlvollen Balladen (Ave Maria), Midtempo Choral Songs und Uptempo Knallern. Aber eben: Es sind Zitate aus der Bibel. Nicht jeder kann mit solchen bedeutungsvollen Worten im Hintergrund entspannt spielen. Entweder gehen die Texte dem Gläubigen zu nah, vielleicht ist die Diskrepanz zwischen gelebtem Christentum und erlebtem SM (noch) zu groß. Oder eine atheistische Erziehung oder selbst gewählte Einstellung eröffnet keinen Zugang zu den Texten und ist im Spiel eher hinderlich bis abtörnend.

Und nun landet vor zwei Tagen das neue Album "Finsternis" auf meinem Tisch. Übrigens, mein Merkzettel lag noch da! "Finsternis" ist eine Reise durch die Nacht, düstere Legende, ein Streifzug durch Geschichte, Horror und Fantasy in vierzehn Akten mit kurzen, spannenden Zwischenstücken (Interludes) – ein monumentales Epos: Von Hexenjagden, Folter und Inquisition, von Draculas Bluthochzeit und Werwölfen (Wolfen - Das Tier in mir) erzählen die Sprecher; der Exorzist, die Schwarzen Reiter, das Böse und der Herr der Schatten wabern schwarz über die Wände; Angst, Zorn und Exitus sickern blutrot aus dem CD-Player. Diesmal versammelt sich eine noch opulentere Garde gewaltiger Stimmen, die wir alle kennen: Es sind die Original-Synchronstimmen von Robert de Niro, Al Pacino, Jack Nicholson, Nicolas Cage, Anthony Hopkins, Gary Oldman, Oliver Reed, Michael Caine, Bruce Willis, John Malkovich, Samuel L. Jackson und Anthony Perkins. Ein 90-köpfiger Chor, unterstützt von glockenklaren Engelsstimmen und dem Orchester der Deutschen Oper, ist noch eindrucksvoller als auf dem ersten Album. Die Aufnahmen zeigen einmal mehr, daß Musik nicht zwangsweise aus dem Computer kommen muß, um modern zu klingen. Die Fusion aus beidem sorgt für "Monumental Dance“ der nächsten Generation und läßt einem immer wieder neue Schauer über den Rücken laufen. Emotions- und energiegeladene Session-Musik.

Als besonderes Highlight gibt es die ‚Special Limited Edition‘ des Albums "Finsternis". Sie enthält zusätzlich zum Album eine DVD, auf der die drei Videos von E Nomine – "Vater Unser", "E Nomine (Denn sie wissen nicht was sie tun)" und "Mitternacht" – in höchster digitaler Bild- und Soundqualität enthalten sind. Bildnorm PAL, Bildformat 4:3, Sprache Deutsch und Lauflänge 17:44.

Mehr über E Nomine auf www.e-nomine-germany.de.
Hier gibt es die Songtexte vom Album "Finsternis", alle Stücke der beiden Alben als Anspielclips und – ganz besonders zu empfehlen – drei Bilder zum Download (unser Hintergrundbild für diese Seite ist eines davon).
www.polydor .de (hier gibt es zwei Videos zum Download)

Geli
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