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Produkt-Details zu: Follow me - SonderangebotEBM / Elektro ... harte, tanzbare Rhythmen, die auf eine fast barocke Art von genialen Melodien durchzogen sind. (SZ 68)
Autor/Interpret: Dracul
Audoio-CD Spieldauer 60:00
11 Titel
Stil: EBM, Electro
Rezension in SZ 68
Gleich zwei Neuerscheinungen vom Anfang des Jahres möchte ich hier vorstellen. Wie in unserem Mailorder-Programm unschwer zu erkennen ist, habe ich einen Hang zu den bösen, düsteren Songs von Umbra et Imago und ihrem Seitenprojekt Dracul. Die unermüdliche Kontinuität – ja geradezu Penetranz –, mit der Mozart und sein hoch kreativer Partner Lutz Demmler ihre musikalischen Visionen seit nun über 10 Jahren verfolgen, verträgt ohne weiteres zwei sehr unterschiedliche Spielplätze.
Mozart sagte in einem Interview im ORKUS, dass sie mit Umbra et Imago eine schöne Bandstruktur haben. „Das ist uns sehr wichtig, dass die Musiker – alles verschiedene Charaktere – das Gefühl haben, Teil einer Künstlerfamilie zu sein, die auch häufig zusammen arbeitet. Meist scheitern die Bands an egoistischen Soloprojekten. Deshalb glaube ich, dass man eine Band nicht vernachlässigen darf, wenn man ein Nebenprojekt realisiert. Dazu kommt, dass es bei Dracul um völlig andere Songstrukturen geht.“
Sieben Jahre nach dem Erscheinen des noch stark gitarrenorientierten Debut-Albums und vier Jahre nach Veröffentlichung der mittelalterlich beeinflussten Dracul-Scheibe "Speichel und Blut" schlägt die schillernde Gothic-Legende Mozart erneut zu. Das Werk überrascht auf der ganzen Linie. Musikalisch ist "Follow me" in erster Linie EBM oder Elektro ... wie man es auch immer nennen will: harte, tanzbare, treibendende Rhythmen, die aber auf eine fast barocke Art und Weise von genialen Melodien und Hooklines durchzogen sind, die man einfach nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen vermag.
In den zwei Jahren, in denen dieses Album entstanden ist, gewannen Mozart und Lutz die repräsentativsten Vertreter aus dem Wave-, Gothic- und Electro-Sektor für ihr Projekt: u. a. Ernst Horn (Deine Lakaien), Oswald Henke (Goethe Erben), ASP, Felix Stass (Crematory), Max von Chamber, Marion Urbach von Pilory und Martina von Bardensang.
"Ohne Blut zu lassen erreicht man nichts", sinnierte schon Casanova, erwiesenermaßen ein direkter Vorfahre von Mozart. Alle beteiligten Musiker – sozusagen ein „Gothic-All-Stars-Ensemble“ – erarbeiteten zusammen die Songs. Daraus entstand ein "Samplersound" mit den deutlichen Duftmarken der jeweiligen Gastbands. Mit viel Schweiß und Herzblut entstand ein stilistisch geschlossenes Album. Kraftvoll, zum Teil mit fettem Clubsound (Follow me), tanzbar, romantisch, zerbrechlich – ein Kessel Dunkles ...
Im Stück „Leben“ verschafft Ernst Horn dem flüsternden Mozart eine traumhafte Ballade, Oswald Henke leiht dem "Erlkönig" seine geniale Rezitationskunst – „Und bist Du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt!“– , Marion und Martina heben in „Sommerlied“ so manche Hookline in himmlische Höhen, ASP besorgen dem "Gothicblues" einen sakralen Männerchor ... und doch ist "Follow Me" durchaus schlüssig und eine Einheit. Thematisch bewegt sich Mozart zwischen sanfter, erotischer Verführung (fast Enigma-haft bei "Sommerlied"), politischen Aussagen ("Das Netzwerk" und "Macht") und einfachen Hymnen an die Nacht. Natürlich darf auch die Thematik des Vampirs nicht fehlen. Das Titelstück „Follow me“ schleicht sich heimlich und beklemmend an den Hörer heran. Die nach einer guten halben Minute instrumentaler Schauerstimmung einsetzenden Samples lassen aufhorchen: Wo habe ich diese Stimme bloß schon einmal gehört? Richtig: in Bram Stokers Verfilmung von "Dracula". Schließlich entpuppt sich der Song nach einer weiteren Minute als erstklassiger, elektronisch moderner und verdammt mitreißender Dancefloorkiller.
„Knochenball“ strotzt nur so von genialen, verspielten Einfällen. Die Kombination aus Barock, schwülstigen Streichern und hartem EBM ... das ist Humor von der schwärzesten Sorte, wie ihn einst nur Laibach zelebrierten. Man fängt an zu zappeln, zu tanzen – die Kombination aus hartem Rhythmus und ohrwurmhaften Melodien ist zu perfekt.
Mozart und Lutz haben bei diesem Album Gespür dafür gezeigt, was das schwarzgewandete Volk gerade braucht, denn musikalisch und inhaltlich trifft diese Platte das Mark der Szene: Dark Tech mit vampiralen Inhalten, verzerrte Gesänge auf flotten, gradlinigen Rhythmen, Goethes Erlkönig, zitiert von Gastredner OH auf 135 Beats, gesampelte Franziskaner-Chöre und der eine oder andere Anflug von mystischer Selbsterkenntnis. Dazu kommt ein wenig Trash und ein wenig Sex und jene Selbstironie, die bei Mozarts Umtrieben gern übersehen wird. Würde man seine Person nicht mehr kontrovers diskutieren, wäre Mozart wohl auch nicht mehr derselbe. Dieses Album hat mir bereits jetzt schon mehrere Stunden bester Unterhaltung eingebracht.
Es ist den beiden gelungen, Gregor Skowronek, den Roman Polanski der Indie-Szene, für ihr Werk zu gewinnen: ein Augen-, Ohren- und Gehirnschmaus in hochwertiger Bild- und Tonqualität, der keine Fragen mehr offen lässt. Die wunderschönen Rokoko-Fotos der Gruppe sind auch von ihm gemacht und sind bei www.dracul-music.de zu finden.
Das Artwork kreierte Vampircomiczeichner Ingo Römling. Unter www.monozelle.de findet ihr mehr von ihm. Witzig ist eine kleine Anekdote über die Entstehung des Vampirhöhlenbilds, in der bewiesen wird, dass Joghurt und Fischstäbchen früher ein Skelett hatten.
Geli
Gleich zwei Neuerscheinungen vom Anfang des Jahres möchte ich hier vorstellen. Wie in unserem Mailorder-Programm unschwer zu erkennen ist, habe ich einen Hang zu den bösen, düsteren Songs von Umbra et Imago und ihrem Seitenprojekt Dracul. Die unermüdliche Kontinuität – ja geradezu Penetranz –, mit der Mozart und sein hoch kreativer Partner Lutz Demmler ihre musikalischen Visionen seit nun über 10 Jahren verfolgen, verträgt ohne weiteres zwei sehr unterschiedliche Spielplätze.
Mozart sagte in einem Interview im ORKUS, dass sie mit Umbra et Imago eine schöne Bandstruktur haben. „Das ist uns sehr wichtig, dass die Musiker – alles verschiedene Charaktere – das Gefühl haben, Teil einer Künstlerfamilie zu sein, die auch häufig zusammen arbeitet. Meist scheitern die Bands an egoistischen Soloprojekten. Deshalb glaube ich, dass man eine Band nicht vernachlässigen darf, wenn man ein Nebenprojekt realisiert. Dazu kommt, dass es bei Dracul um völlig andere Songstrukturen geht.“
Sieben Jahre nach dem Erscheinen des noch stark gitarrenorientierten Debut-Albums und vier Jahre nach Veröffentlichung der mittelalterlich beeinflussten Dracul-Scheibe "Speichel und Blut" schlägt die schillernde Gothic-Legende Mozart erneut zu. Das Werk überrascht auf der ganzen Linie. Musikalisch ist "Follow me" in erster Linie EBM oder Elektro ... wie man es auch immer nennen will: harte, tanzbare, treibendende Rhythmen, die aber auf eine fast barocke Art und Weise von genialen Melodien und Hooklines durchzogen sind, die man einfach nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen vermag.
In den zwei Jahren, in denen dieses Album entstanden ist, gewannen Mozart und Lutz die repräsentativsten Vertreter aus dem Wave-, Gothic- und Electro-Sektor für ihr Projekt: u. a. Ernst Horn (Deine Lakaien), Oswald Henke (Goethe Erben), ASP, Felix Stass (Crematory), Max von Chamber, Marion Urbach von Pilory und Martina von Bardensang.
"Ohne Blut zu lassen erreicht man nichts", sinnierte schon Casanova, erwiesenermaßen ein direkter Vorfahre von Mozart. Alle beteiligten Musiker – sozusagen ein „Gothic-All-Stars-Ensemble“ – erarbeiteten zusammen die Songs. Daraus entstand ein "Samplersound" mit den deutlichen Duftmarken der jeweiligen Gastbands. Mit viel Schweiß und Herzblut entstand ein stilistisch geschlossenes Album. Kraftvoll, zum Teil mit fettem Clubsound (Follow me), tanzbar, romantisch, zerbrechlich – ein Kessel Dunkles ...
Im Stück „Leben“ verschafft Ernst Horn dem flüsternden Mozart eine traumhafte Ballade, Oswald Henke leiht dem "Erlkönig" seine geniale Rezitationskunst – „Und bist Du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt!“– , Marion und Martina heben in „Sommerlied“ so manche Hookline in himmlische Höhen, ASP besorgen dem "Gothicblues" einen sakralen Männerchor ... und doch ist "Follow Me" durchaus schlüssig und eine Einheit. Thematisch bewegt sich Mozart zwischen sanfter, erotischer Verführung (fast Enigma-haft bei "Sommerlied"), politischen Aussagen ("Das Netzwerk" und "Macht") und einfachen Hymnen an die Nacht. Natürlich darf auch die Thematik des Vampirs nicht fehlen. Das Titelstück „Follow me“ schleicht sich heimlich und beklemmend an den Hörer heran. Die nach einer guten halben Minute instrumentaler Schauerstimmung einsetzenden Samples lassen aufhorchen: Wo habe ich diese Stimme bloß schon einmal gehört? Richtig: in Bram Stokers Verfilmung von "Dracula". Schließlich entpuppt sich der Song nach einer weiteren Minute als erstklassiger, elektronisch moderner und verdammt mitreißender Dancefloorkiller.
„Knochenball“ strotzt nur so von genialen, verspielten Einfällen. Die Kombination aus Barock, schwülstigen Streichern und hartem EBM ... das ist Humor von der schwärzesten Sorte, wie ihn einst nur Laibach zelebrierten. Man fängt an zu zappeln, zu tanzen – die Kombination aus hartem Rhythmus und ohrwurmhaften Melodien ist zu perfekt.
Mozart und Lutz haben bei diesem Album Gespür dafür gezeigt, was das schwarzgewandete Volk gerade braucht, denn musikalisch und inhaltlich trifft diese Platte das Mark der Szene: Dark Tech mit vampiralen Inhalten, verzerrte Gesänge auf flotten, gradlinigen Rhythmen, Goethes Erlkönig, zitiert von Gastredner OH auf 135 Beats, gesampelte Franziskaner-Chöre und der eine oder andere Anflug von mystischer Selbsterkenntnis. Dazu kommt ein wenig Trash und ein wenig Sex und jene Selbstironie, die bei Mozarts Umtrieben gern übersehen wird. Würde man seine Person nicht mehr kontrovers diskutieren, wäre Mozart wohl auch nicht mehr derselbe. Dieses Album hat mir bereits jetzt schon mehrere Stunden bester Unterhaltung eingebracht.
Es ist den beiden gelungen, Gregor Skowronek, den Roman Polanski der Indie-Szene, für ihr Werk zu gewinnen: ein Augen-, Ohren- und Gehirnschmaus in hochwertiger Bild- und Tonqualität, der keine Fragen mehr offen lässt. Die wunderschönen Rokoko-Fotos der Gruppe sind auch von ihm gemacht und sind bei www.dracul-music.de zu finden.
Das Artwork kreierte Vampircomiczeichner Ingo Römling. Unter www.monozelle.de findet ihr mehr von ihm. Witzig ist eine kleine Anekdote über die Entstehung des Vampirhöhlenbilds, in der bewiesen wird, dass Joghurt und Fischstäbchen früher ein Skelett hatten.
Geli






