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2018-07-04

Rückschau SundMehr: Nähe und Spiel und Beziehung

8 Leute mit sadomasochistischen Neigungen trafen sich am 29.06. im Gesprächskreis SundMehr, um sich über Nähe in Spiel und Beziehung auszutauschen.

Aufgefordert, in der Vorstellungsrunde sich zur Frage zu äußern, was "Nähe" für jeden einzelnen Bedeutet, kamen unterschiedlich differenzierte Statements ans Licht. Einige fanden bereits diese Frage schwer zu beantworten, andere stellten fest, dass Nähe und Distanz im SMigen Spiel wechselt. Faszinierend ist Nähe, wenn sie nicht körperlich ist, sondern vor allem emotional, fand ein Teilnehmer. Ein anderer gestand seine große Sehnsucht danach, die er nur selten stillen kann.

Interessanterweise stellte der nächste fest, dass Nähe für ihn vor allem bei einer Bondage-Session entsteht. Nähe würde für ihn im kommerziellen Bereich des SM auch eine große Achtung vor seinem Gegenüber erzeugen, meinte der Nächste. Ein weiterer Teilnehmer wollte sich vor allem auf seelische Nähe beziehen und fand, dass er, je größer diese ist, um so sensibler und feiner auf sein Gegenüber eingehen kann. "Weit weg ist manchmal näher, als man denkt", fasste der nächste zusammen. Reziprok definierte eine Anwesende Nähe als Mangel an Distanz und während eine nächste Aussage war, dass es verwunderlich ist, dass bei großer Distanz Nähe entstehen kann. Sie kann Nähe vor allem zu Menschen zu lassen, die sie mag, stellte eine Besucherin fest; und dass ihr ansonsten Distanz lieber sei.

Nähe und SM haben unwahrscheinlich viele Facetten, subsummierte eine und ihr Partner stellte, mit Bezug auf das lobende Statement eines Psychologen zur Gesprächsatmosphäre bei SundMehr fest, dass schon das gemeinsame Thema SM Nähe herstellen kann. Nähe sei ihnen wichtig, meinten zwei Anwesende und darauf folgend wurde es nochmal richtig differenziert: seelische Nähe habe im Spiel die größte Bedeutung, wenn Intimität entstünde. Je mehr Nähe, desto schwieriger sei es aber auch, das Machtgefälle zu erzeugen. Sehnsucht nach einer Zusammenfassung des letzten Abends zum Thema Distanz hatte dann noch eine Teilnehmerin - die doch so leicht auf der Homepage zu finden gewesen wäre . Für sie war Nähe vor allem über Distanz hinweg beeindruckend, wenn sie quasi telepathische Fähigkeiten erzeugt: Man ruft seinen Liebsten an, während dieser gerade sein Telefon in der Hand hat um seinerseits die eigene Nummer zu wählen.

Das offene Gespräch wurde mit der Frage gestartet, was SM-Praktiken im emotionalen, erotischen Sinn mit Nähe zu tun haben. SM sei für ihn eine positiv-egozentrische Angelegenheit, versuchte ein Teilnehmer sich an einer Antwort. Es geht darum, den eigenen Körper zu spüren, die eigene Person die eigenen Gefühle, die durch den anderen ausgelöst werden.

Widerspruch kam von einer eher submissiven Teilnehmerin, für die Nähe bereits vorher da sein muss, sonst ginge bei ihr gar nichts; sie mache schlicht "nicht auf". Wieder mit Bezug auf eine Studio-Erfahrung meinte ein Teilnehmer, er habe die Erwartung an die Aktive, dass sie wisse, was er brauche, wenn sie beginne ihn zu fixieren, die Augen zu verbinden... Diese vertrauende Erwartung erzeugte für ihn Nähe, die sich zu Zuneigung steigern kann.

Daraus folgte die Frage, ob Nähe überhaupt erforderlich ist, wenn sich eine Session rein auf körperliche Erfahrungen beschränkt, die allerdings Widerspruch hervorrief: Auch im professionellen Bereich sei Nähe erfahrbar, wenn die Dominas Interesse an dem haben, was sie tun und was dadurch mit dem Gegenüber geschieht, wozu sie sich durchaus mit dem diesem auseinander setzen müssten.

Ist die Nähe erzeugende Komponente beim Aktiven vor allem sein Interesse? Dies konnte eine Anwesende bestätigen, die dies mit der Frage umschrieb: "was kann ich alles mit meinem Gegenüber machen?" Auf Partys habe sie beim SMigen Spiel mit (zunächst) Fremden erlebt, wie sehr schnell Nähe entstand. Ihre Frage wäre dabei immer: Kann ich treffen, was ihm gut tut? Und kann ich auch machen, was mir gut tut, auch wenn dies von seinem primären Wunsch abweicht, sodass er aber mit seinem Wohlgefühl hinterher kommt, weil er wiederum merkt: dass es mir selbst gut tut?

Im Grunde wurde so der Beginn eines Kreislaufs skizziert, der eine Verschmelzung einleiten könnte. Ein Anwesender ergänzte für sich jedoch, dass ein anfängliches Interesse unbedingt von Nöten sei, schon allein um zunächst mit dem Gegenüber ins Gespräch zu kommen. Bei einer ganz zufälligen Zuordnung von Spielpartnern käme für ihn kein SM in Gang. Die interessante Frage, die er davon ableitete und in die Runde gab, war, ob es unter den Anwesenden eine andauernde Beziehung gäbe, bei der zumindest bei einem der Beteiligten emotional nichts mitschwingt. Außer einem extrem Beispiel, das über nicht anwesende Dritte berichtete und zum Beziehungsabbruch führte, konnte niemand von einer entsprechenden Beziehung berichten, was nicht verwunderlich ist: Ist doch in der Soziologie das Kennzeichen einer sozialen Beziehung, dass die Beteiligten in der Lage sind, sich wechselseitig als Objekt und Subjekt zu empfinden - als Träger von Erwartungen des anderen und als Beziehungsteil, der auch Erwartungen an den anderen stellt. Auch ein Ansatz aus der Sozialpsychologie spricht von "Austauschbeziehung" - ohne emotionale Beteiligung also auch keine Beziehung.

Die elementaren Grundweisen, wie ein Mensch funktioniert unterscheiden Sadomasochisten nicht vom Rest der Gesellschaft, fasste ein Anwesender das Meinungsbild zusammen und belegte dies damit, dass er eine gewisse Nähe auch zum Busfahrer oder Postboten aufbauen kann, wenn er ihn regelmäßig sieht. Ergänzt wurde dies durch Beispiele von Alltagsdominanz, die bei einzelnen auch dazu führten, eine gewisse Nähe aufzubauen.

Die Frage, ob SM auch zärtlich sein kann, wenn man den Begriff "Zärtlichkeit" allein auf die emotionale, seelische Komponente, beschränkt, wurde mit großer Zustimmung beantwortet. Wenn man sich nicht äußern kann, desorientiert und hilflos und allein auf das Gespür des Aktiven angewiesen ist, kommen auch bei starken, auch schmerzhaften, körperlichen Reizen, Aspekte von "Zärtlichkeit" zum Tragen. Kommunikation und Gesten können diese herstellen, wenn sie signalisieren, dass verstanden wird, was der andere sich wünscht oder was man ihm nun zumuten will während er in aller Hilflosigkeit doch letztendlich sicher ist - dass bewusstes Interesse an seiner Person vorhanden ist. Wenn Nähe allerdings asymmetrisch wird, weil ein Beteiligter mehr davon herstellt oder einfordert, als dem anderen lieb ist, kann sie unangenehm werden, sich sogar bedrohlich anfühlen. Da das Wohlgefühl von Nähe aber extrem individuell und subjektiv ist, bleibt es die große Kunst, über Kommunikation herauszufinden, welches Maß an Nähe für jeden das richtige ist, damit sie gefühlt gleichmäßig verteilt ist. Und genau hierzu ist das Anfangs erwähnte Grundinteresse am Anderen die Voraussetzung. Nur weil es schwierig ist, über Nähe zu sprechen, sollte man es nicht lassen - für langjährige Beziehungen könnte die Bereitschaft dazu als Grundvoraussetzung und Handwerkszeug, das bereit liegen sollte, bezeichnet werden. Auch bei SMern ist Beziehung Arbeit, wie ein Anwesender zusammen fasste.

Autor: Joe Wagner vom Gesprächskreis SundMehr

2018-07-04
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