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2018-09-30

Rückschau Gesprächskreis SundMehr: Weltanschauung und Sadomasochismus

Dreizehn Leute mit Interesse an sadomasochistischer Erotik trafen sich am 28.09.2018 beim Gesprächskreis SundMehr , um sich über ihre Erfahrungen mit Wechselwirkungen zwischen SM und Weltanschauungen zu unterhalten.

Eingangs wurden Handzeichen erbeten, wer unter den Anwesenden sich der christlichen Weltanschauung nahe fühlt, dem Buddhismus oder Feminismus, einer politischen Ansicht oder sich auch für Menschenrechte engagiert. Die Vorstellungsrunde wurde dann mit der Frage verbunden, ob es Reibungs- oder Verbindungspunkte der Einzelnen mit dem Thema, für das sie sich gerade gemeldet haben, gibt.

Das für sie Christsein vor allem etwas mit Menschsein zu tun habe, wie Sadomasochismus eben auch, meinte die erste Teilnehmerin und ergänzte, dass sie darin aber noch nie etwas sich ausschließendes gesehen habe. Auf die Art, wie eine Voreinstellung die Betrachtung der Welt beeinflusst hob ihre Nebensitzerin ab, in dem sie meinte, sie schaue sich die Welt als Christ an, aber nicht als Sadomasochistin. Dass er zwar seine Wurzeln im christlich- freikirchlichen Bereich habe, sich von diesen aber aufgrund der einengenden Denkschemata getrennt hat, meinte der Nächste, der gerade begann, sich aktiver mit Ansätzen aus dem Buddhismus auseinander zu setzen. Zu BDSM sah er dabei aber keine Reibungspunkte. Einen ebenfalls christlichen, allerdings katholischen geprägten Hintergrund hatte der nächste, der seinen Schwerpunkt jedoch vor allem darin sah, an "das Gute“ im Menschen zu glauben und sich persönlich zur Zeit mit Tantra auseinander setzte. Nach einem evangelisch getauften Teilnehmer, der mit Kirche allerdings nicht mehr viel am Hut hat, meinte ein Besucher, er habe mit klerikaler Ausrichtung kein Problem. Beim Ausleben sadomasochistischer Erotik sei ihm aber das Weltbild seines Gegenübers aber sehr wichtig.

Von einer vermutlich eher missglückten evangelikalen Sozialisation, die er genossen habe, sprach der nächste Anwesende. Er befände sich jetzt in Opposition dazu – je konträrer, desto besser. Sein aktuelles Weltbild beschrieb er als eher sozialistisch, materialistisch. Grundsätzlich wünsche er sich eine gerechte Welt.
Dass sie frei erzogen und eher ohne Religion aufgewachsen sei, meinte die nächste Besucherin und fand, dass der Mensch eben einen Halt brauche – einen Zusammenhang zu SM sah sie dabei jedoch nicht. Ihr Nebensitzer bekannte sich zu den Grundzügen des Christentums, wobei ihm die Gleichberechtigung unter den Menschen am wichtigsten sei.

Eine in großen Runden eher zurückhaltende Besucherin beschränkte sich auf die Preisgabe ihres Namens und ihr Nebensitzer machte einen Streifzug durch seine Sozialisation, der eine christliche Prägung beinhaltete, sowie die spätere Auseinandersetzung mit Buddhismus und Anthroposophie. Sadomasochistische Erotik sei für ihn die reinste Form der Gleichberechtigung. Ein neuer Besucher identifizierte sich seit seiner Kindheit mit dem christlichen Glauben, fühlte sich aber noch zu unerfahren, um etwas differenziertes über Sadomasochismus zu sagen. Reibungspunkte empfand er hier keine.

Beim Start des Gespräches wurde ein hoher Idealismus in der Runde festgestellt, da sich keiner für Gewalt und Unterdrückung anderer, als Weltsicht aussprach. Dem wurde gleich entgegnet, dass dies mangels politsicher Korrektheit sicher auch niemand öffentlich bekennen würde, selbst wenn er solche Wünsche hege. Als Beleg folgte ein kurzer Diskurs über tabuisierte und illegale Bereiche menschlicher Sexualität, sowie die Frage aus alten psychologischen Testbögen: "Haben Sie nachts Wünsche für die sie sich am Tag schämen?"
Einigen war ein schlechtes Gewissen beim Betrachten von Folterszenen in Medien bekannt – das genau dann auftauchte, wenn mangelnde Einvernehmlichkeit und der Vernichtungswillen der Aktiven bewusst wird.
Ein Anwesender beschrieb seine Schwierigkeiten in der BDSM-Szene: Als Switcher habe er Probleme, wenn Machtgefälle für viele mit der Fähigkeit zur Demütigung des anderen gleichgesetzt würde. Da fühle er sich gleich jenseits des "Beuteschemas" erhoffter Spielpartner.

Ein Gesprächsteilnehmer fragte, ob hier jemand sei, der Sadomasochismus selbst als seine Weltanschauung betrachten würde, was nicht der Fall war. Für ihn sei seine Neigung ein Teil, und nicht alles, was seine Person ausmacht, meinte jemand. Dass er 24/7 Wünsche kenne gab ein anderer zu, wozu auch extremeste Formen, wie Total-Power-Exchange, endlos auszuleben, während alle konsensuellen Aspekte der Beziehung auf der Meta-Ebene bleiben, gehöre. Allerdings sei dies für ihn keine Art der Weltanschauung.

Mühsam wurden Reibungspunkte gesucht, da niemand sich zu solchen bekennen zu wollen schien.
Wenn nicht von vornherein klar sei, dass seine Partnerin grundsätzlich von der Gleichberechtigung der Geschlechter überzeugt sei, könne er mit ihr beim erotischen Spiel nicht weiter gehen, stellte ein dominanter Gesprächskreisbesucher fest. Auf anderer Ebene bestätigt wurde dies von einem Statement, dass man im Rahmen eines Dominanz-Submissions-Settings seiner Partnerin Gefälligkeiten tun kann, sodass diese erotisiert sind. Selbst den Müll heraus zu bringen kann dann erotisiert werden, wenn das Gefühl besteht, dass "man es muss". Damit die Situation erotisch wirkt, bedarf es aber einer Trennung zwischen dem Bewusstsein, dass man sich Haushaltsarbeit teilt – und der erotischen Situation.

Seine Aussage, dass sadomasochistisch Erotik für ihn reinste Gleichberechtigung darstelle, präzisierte bei der Gelegenheit der Teilnehmer: Weil es eben auf das inszenierte Machtgefälle zwischen den Beteiligten ankommt, werden Geschlechtsrollen vom Themen wie Macht und Status getrennt. Es gilt einfach nur die möglichst passende Interaktion der Beteiligten als Ziel.

Die Gesprächsinhalte drehten sich dann um die gesellschaftliche Einstellungen: Der Text "Ein Hund ging in die Küche und stahl dem Koch ein Ei" könne heute schon als vollständig inkorrekt betrachtet werden, Eltern lassen ihre Kinder die Märchen der Gebrüder Grimm nicht lesen, weil sie zu brutal sind, die Bibel soll auf den Index jugendgefährdender Schriften und die Kinder fahren Roller mit Sturzhelm und Ellbogenschützern. Entsprechend könnten viele Themen kaum noch ohne Vorbehalte diskutiert werden, meinte ein Besucher. Dies kann die Möglichkeiten, seinen sadomasochistischen Sehnsüchten nachzugehen und überhaupt auszusprechen, eingrenzen.

Eine dieser Schwierigkeiten sah ein Anwesender auch durch in der Tatsache, dass Einvernehmlichkeit bei inszeniertem Machtgefälle, die Verantwortung hin und her wandern ließe. Dies mache die Beziehung sehr fragil.
Die Diskussion sei sehr idealisiert und theoretisch, beklagte eine Besucherin. Der Eindruck veränderte sich schnell, als ein Anwesender bekannte, dass es ihm egal sei, wenn es so richtig zur Sache gehe, wie sich die Aktive dabei fühle. Wird gerade der Aktive dabei nicht zum Mittel zum Zweck, Werkzeug – gar Gegenstand? Selbstbefriedigung zu mehreren? Wenn dies abgesprochen ist, könne auch dies in Ordnung sein. Ebenso, wenn es sich um ein professionelles Verhältnis handle. Sobald das Gegenüber jedoch unabgesprochen zum reinen Objekt wird, steht der Stellenwert des eigenen Wunsches nach einer gerechten Welt im eigenen Weltbild zur Disposition. Klar erschien hier, dass auch aktive Spielpartner sich unterwerfen können, sofern sie ihr Tun allein am Wunsch des passiven Orientieren, was andererseits aber auch in Ordnung ist, wenn zu einem anderen Zeitpunkt ein Ausgleich erfolgt.

Ob dies in die eigene Weltanschauung passt, entscheidet sich an der Frage, wie verbindlich dies ist. Bei religiösen Weltbildern mag dies eher gegeben sein, weil man sich einem transzendenten Gegenüber verpflichtet fühlt. Ist dies nicht der Fall, können Menschen sich vielleicht auch Ausnahmen gönnen, selbst wenn dies einer langfristigen Beziehung nicht zuträglich ist.

Am Ende stand der Eindruck fest, dass der ganze Abend sehr glatt verlief – und kaum Reibungspunkte zwischen Weltbildern, eigenen Einstellungen und SM ans Licht kamen, die auch bei gänzlich integrierter sadomasochistischer Erotik auftreten können. Vielleicht waren aber auch die Leute, die eine Spannung zwischen ihrer Weltsicht und ihren erotischen Bedürfnissen empfinden, an diesem Abend , oder ganz allgemein, im Gesprächskreis SundMehr, nicht vorhanden.

Autor: Joe Wagner

2018-09-30
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