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Gejagte

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Gejagte
Unser Fazit: Ein wichtiges Buch, weil es uns einen Spiegel vorhält und uns mit der Frage im Kopf zurücklässt: Wollen wir so leben und ist das wirklich alles?

konkursbuch Verlag

Autor/Interpret: Phoebe Müller

Paperback, 220 Seiten

Schon seit vielen Jahren sind wir mit Phoebe Müller freundschaftlich verbunden und in den ersten Ausgaben unseres Magazins hatten wir die Ehre, Texte von ihr zu veröffentlichen.
Jetzt ist ihr neues Buch herausgekommen und es ist ihr wieder ein beeindruckender Wurf gelungen. Mit „Gejagte“ begibt sich die Autorin mit ihrer Ich-Erzählerin auf ein Terrain, das vordergründig nicht mehr so böse und düster ist wie oft in ihren früheren Werken. Aber bei genauerer Betrachtung findet man hier so viel aus einem Alltag wieder, der sich auf subtile Weise als immer unerträglicher entpuppt.
Düster sind nicht die Protagonisten, sondern dieses alltäglich dahinplätschernde, immer voraussehbare Einerlei eines typischen Mittelstands-Lebens. Hier sind sogar die kleinen und größeren Ausbrüche Teil dieses fest verzurrten Lebens, egal, ob es sich um ein Fesselungsszenario, eine eher destruktive Beziehung zu einer dieser „Berühr-mich-nicht“-Dominas handelt oder um die SM-Liebesgeschichte zu einem Polizisten. Die erotischen Szenen wirken authentisch und sind sprachlich sehr vielschichtig umgesetzt.
Auch wenn „Gejagte“ kein typischer S/M-Roman ist, sondern die Stereotypen und Klischees der Fetisch- und S/M-Welt eher kritisch hinterfragt, ist es anregend und spannend, der Protagonistin auf ihrer kompromisslosen Suche nach dem ultimativen sexuellen Kick zu folgen.

Matthias

Leseprobe: Gejagte


Auszug aus dem neuen Roman der Autorin Phoebe Müller:

Wir dringen ins Dunkel ein. Bewegen uns langsam durch schwach beleuchtete Gänge, ein blubbernder Bass folgt uns. Schatten passieren uns, Gummi quietscht, Ketten rasseln, schrilles Lachen aus dem Barbereich. Wir bewegen uns durch die Tiefen des "Rektums". Der Club heißt tatsächlich so und macht seinem Namen Ehre. Ein Mensch ganz in Gummi sieht mich durch Sehschlitze an. Aus seinem Mund ragt ein dünner Schlauch, er atmet fauchend und mühselig ein und aus. "Darth Vader", witzelt Carola und piekst mich in die Rippen. Ihr fehlt der Ernst an einem solchen Ort. Grablichter stehen in Reih und Glied auf steinernen Simsen. Andreaskreuze, Slings, Steckbänke, keine Phantasie bleibt offen. Explizites Stöhnen dringt aus unbeleuchteten Ecken und das charakteristische Klatschen von Leder auf nackter Haut, unterbrochen von unterdrücktem Gestöhn. Schön ist es hier, überhitzt, es scheint, als führe jeder Gang ein wenig nach unten. Die Urinale sind offen im Raum verteilt. Hier stehen Männer und halten ihr Gemächt ins helle Licht oder lassen den Strahl lässig in geöffnete Münder spritzen. Hier ist Platz für jeden. Der Boden glänzt feucht an manchen Stellen, manchmal klebt es unter meinen Stiefelsohlen. "Ich möchte die Räume nicht bei Tage sehen", bemerkt Carola. Aber das Schmuddlige ist Programm hier und hat Charme. Hier wird im Dreck gekniet. Der Arsch gestriemt. Ein blasser, dünner Schwuler hängt malerisch in einem Sling, einen Unterarm fast bis zum Ellbogen in sich. Sein Blick ist entrückt. Ein Halbkreis von Schaulustigen sieht zu, es riecht nach Körpern, die Luft ist zum Schneiden. Ein muskelbepackter Glatzkopf, der außer einem Hundehalsband und Turnschuhen nichts trägt, reicht mir ein kleines Fläschchen rüber. Schiebt es mir unter die Nase. "Kommt gut", sagt er. "Atme mal ein."

Ich tue es, eine Mischung aus Chlorophorm und Badreiniger schießt mir durch die Nase. Mein Kopf wird heiß, mein Puls rast, alles wird wattig und weich.

"Geil, was?" Sagt die Glatze und geht auf die Knie, um seinem Mitgefährten oder "Meister" wie er ihn nennt, die Boots zu lecken. Meine Nase brennt, mir wird schwindlig.

"Carola", sag ich. "Bring mich zurück zur Bar."

Aus dem Augenwinkel sehe ich noch, wie ein feiner, roter Streifen dem Mann im Sling am Oberschenkel runterläuft und auf den Boden tropft.

An der Bar herrscht ein bizarres Treiben, ich habe nicht genug Augen, um alles zu sehen.

Waren die Fessel-und Latexevents, die ich mit Rich besucht hatte, eher ein Rausch der Ästhetik gewesen, ein Ball der Eitelkeiten, um die teuren Kostüme zur Schau zu stellen, Frauen so perfekt zurecht gemacht und Männer, so selbstsicher und bar jeder Unsicherheit, dass es mich öfters verunsichert hatte, so ist es hier von einer grellen Direktheit. Die dominanten Damen oft übergewichtig, aber trotz allem in Leder oder Lack gepresst. Alte Männer mit Hundehalsband, die nichts tragen als die Zeichen ihrer Jahre und eine Kette um den Sack geschlungen, der die ganze Pracht nach unten zieht. Gepiercte Geschlechtsteile, so mit Metall gespickt, dass es beim Laufen klirrt. Hier hat die Scham keine Chance. Es wird gescherzt, gekichert, gewitzelt. Das unvermeidliche Buffet rege frequentiert.
"Gibt’s keine Spätzle mehr?", schreit einer in Richtung Bar, während aus den hinteren Räumen das eindeutige Geräusch von Peitschenhieben auf nackter Haut zu hören ist.

"Wenn ich mal richtig alt und fett bin, werd ich Domina", lästert Carola neben mir und pickt Käsespießchen von einer Platte. Ein schlankes Mädchen, wie ein Pony ausstaffiert, eine Trense im Mund, einen üppigen Pferdeschwanz aus dem Hintern ragend, steht in einer Ecke und tritt von einem Fuß auf den anderen. Die Stiefel wie Hufe geformt. Unscheinbare Männer mit dem Nimbus von Büroangestellten lassen sich von strengen Damen die Stilettos in die Weichteile stoßen, nehmen Natursekt auf und gehen danach ans Buffet, um sich einen Nachschlag zu holen. Alles ist möglich und wenig geheimnisvoll.

Carola lässt sich zum ersten Mal in ihrem Leben "den Po versohlen", wie sie sich ausdrückt und zeigt mir danach stolz ihren gestriemten Hintern. Sie hätte nicht gedacht, dass sie das so in Wallung bringen würde, nur dieser Jargon von "Sklavin gehorche", "Ich werde dich jetzt bestrafen, Zofe" und so weiter, dem könne sie nichts abgewinnen. Ich verstehe, was sie meint, wobei das richtige Wort zur richtigen Zeit einen gewissen Reiz besaß, was ich von meinen Anfängen mit Rich wusste. Wenn er "Gib dich ganz in meine Hände", in mein Ohr flüsterte oder ähnliches. In diesem schrillen Durcheinander aus Perversion, Buffet, Gelächter und Alltagsgerede sind sie allerdings fehl am Platz.

Das weibliche Pony wird gerade von seinem Reiter und Besitzer mit der Gerte bestraft, da es nicht flott genug auf der Stelle trabt. Die junge Frau hat verklärte Augen und Spucke rinnt ihr in Fäden aus dem Mund, da die Trense so eng sitzt. Aber sie tut ihr Bestes und hebt die Beine so hoch, dass ihr Schweif bei jedem Schritt auf und ab wippt. Eine schöne Szene, wäre nicht das unaufhörliche Geschwätz. Neben uns stehen zwei Männer, mit Bauch und Peitschenset, die sich über die Vor- und Nachteile der Riesterente unterhalten. Wieder wird nach den Spätzle gerufen. Gegen Ignoranz ist einfach kein Kraut gewachsen. Die Tunte hinterm Tresen schreit schrill "dass sie halt nicht alle Männer befriedigen könne." Kreischendes Gelächter ist die Antwort.

"Du alte Fickstute", ruft einer. Gelächterorgien folgen. Das Pony und sein Besitzer ziehen sich ins Dunkle zurück. Gerne würde auch ich mich in den Gängen des Rektum verlieren, auf den Knien und im Dreck, aber in Ermangelung eines Gegenparts und angesichts der Ignoranz ist das nicht möglich. Carola amüsiert sich prächtig. Sie hat keinen Sinn für das Düstere, Morbide und Stille. Sie mag die Geselligkeit und das leichtlebige Frivole. Das passt zu ihr und dafür schätze ich sie. Bald kennt sie die Vornamen der Bargemeinde. Ihre neue Bekanntschaft hängt an ihren Lippen. Als sie sich das nächste Mal mit ihm zurück zieht, kommt sie etwas stiller zurück. Nachdenklich nippt sie an ihrem Prosecco.

"Was ist los", frage ich sie, während ich Trauben und Erdbeeren vom Buffet sammle.
"Stell dir vor", sagt sie. "Ich habe zum ersten Mal einen Menschen geschlagen und fand es richtig geil."

Gejagte
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